Schloss Orlík thront über der Orlík-Talsperre, einem der größten Wasserreservoirs Tschechiens. - Zwischen Wasserschlössern und Unterwelt: Tschechiens coole Seiten
Tschechien

Zwischen Wasserschlössern und Unterwelt: Tschechiens coole Seiten

Während anderswo die Hitze flimmert, zeigt sich Tschechien von seiner angenehm kühlen Seite. Schlösser am Wasser, schattige Gärten und historische Gemäuer werden zu Rückzugsorten an heißen Sommertagen. Gleichzeitig bieten unterirdische Welten und Kellerlabyrinthe an Regentagen nicht nur Erfrischung, sondern auch spannende Abwechslung.

Drei Orte, an denen alte Mauern Schatten spenden

1. Burg Veveří über dem „Brünner Meer“

Abgeschieden, wehrhaft und von dichten Wäldern umgeben thront die Burg Veveří auf einem felsigen Vorsprung hoch über dem „Brünner Meer“, einem Stausee in Südmähren. Schon von Weitem zeichnen sich die massiven Mauern und Türme über dem Ufer ab, während sich das Wasser darunter durch die bewaldete Hügellandschaft zieht. Am Fuße der aus dem 12. Jahrhundert stammenden tschechischen Jagdburg befindet sich eine Anlegestelle, von der aus Boote direkt zur Anlage fahren. Besucher schlendern durch die historischen Prunkräume und kehren anschließend im Bistro Winston ein, das einst im Jahr 1908 von Winston Churchill besucht wurde.

2. Märchenkulisse am Wasser: Schloss Blatná

Früher dienten Wasserflächen rund um Burgen und Schlösser vor allem dem Schutz vor Angreifern. Heute sorgen sie für eine magische Atmosphäre. Ein eindrucksvolles Beispiel ist das Wasserschloss Blatná in Südböhmen bei Strakonice. Einst im Besitz des Adelsgeschlechts Hildprandt, zählt es mittlerweile zu den meistbesuchten Wasserschlössern Tschechiens. Sein weißer Turm spiegelt sich im Teich, während sich rundherum ein englischer Landschaftspark erstreckt. Dieser wird nicht nur für Spaziergänge und Bootsfahrten genutzt, sondern diente auch als Kulisse für den Märchenklassiker „Die wahnsinnig traurige Prinzessin“. Heute lebt dort zudem eine Herde Damhirsche, die Besucher aus nächster Nähe beobachten können.

3. Sommerfrische auf Schloss Orlík

In einer ähnlich märchenhaften Landschaft in Südböhmen erhebt sich das neugotische Schloss Orlík. Mit seinen weißen Fassaden und Türmen thront es auf einem Felsen über der gleichnamigen Talsperre, die zu den größten Tschechiens zählt. Eine leichte Brise sorgt an warmen Sommertagen für angenehme Frische. Im Inneren erwarten die Besucher reich verzierte Säle, historische Bibliotheken, Jagdtrophäen, Kunstsammlungen und holzvertäfelte Räume, die den adligen Lebensstil des 19. Jahrhunderts widerspiegeln. Rund um das Schloss erstreckt sich ein weitläufiger englischer Park mit alten Bäumen und Blick über das Wasser. Am anderen Ufer des Sees liegt die Burg Zvíkov. Nicht nur die Burg selbst, sondern auch die Fahrt dorthin lohnt einen Besuch, denn sie bietet einen der schönsten Ausblicke auf die Moldau.

Drei Städte und ihre verborgenen Ebenen

1. Znojmo und sein unterirdisches Labyrinth

Während Wasserflächen und schattige Parks an der Oberfläche für Abkühlung sorgen, entfalten auch die unterirdischen Welten mancher tschechischer Städte eine erfrischende Wirkung. Unter der Altstadt von Znojmo in Südmähren verbirgt sich beispielsweise eines der größten Labyrinthe Europas: ein weit verzweigtes System aus Gängen und Gewölben. Die konstant kühlen Temperaturen machen diese Unterwelt zu einem angenehmen Rückzugsort, besonders an heißen Sommertagen oder als wetterunabhängiges Erlebnisprogramm. Besucher können zwischen einer klassischen Führung mit Einblicken in die Stadtgeschichte und einer atmosphärisch inszenierten Unterweltausstellung wählen. Dabei führt der Weg etwa durch eine alchemistische Werkstatt und eine nachgebaute Gefängniszelle, begleitet von Märchenszenen.

2. Pilsen/Plzeň: Die Stadt unter der Stadt

Noch weitläufiger zeigt sich die unterirdische Welt in Pilsen/Plzeň im Westen Böhmens. Unter der Innenstadt erstreckt sich ein mehrere Kilometer langes System aus Gängen, Brunnen und Kellern aus dem 14. Jahrhundert. Ursprünglich diente es der Versorgung und dem Schutz der Stadt. Heute sind Teile davon öffentlich zugänglich und eröffnen einen Blick auf das mittelalterliche Stadtleben. Ehemalige technische Anlagen wie Entwässerungsstollen sowie Räume für Handwerk und Lebensmittelproduktion erzählen von einer funktionalen Unterwelt, die das Leben über der Erde eng begleitete. Auch die traditionsreiche Brauerei Pilsner Urquell nutzt die alten Keller zur Lagerung und Reifung ihres Bieres. Besucher erleben so eine doppelte Erfrischung: die kühle Atmosphäre unter der Erde und im Anschluss eine frische Kostprobe direkt vom Fass.

3. Brünn/Brno: Zwischen Wasserspeichern und Beinhaus

In der tschechischen Stadt Brno zeigt sich die unterirdische Welt besonders vielschichtig. Unter der Altstadt verbirgt sich ein weit verzweigtes System aus Kellern und Gängen. Ein Highlight sind die historischen Wasserspeicher am Žlutý kopec: monumentale, aus Ziegelstein errichtete Reservoirs aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Sie versorgten einst die gesamte Stadt mit Trinkwasser. Heute erinnern die fast kathedralenartigen Räume an die fantastischen Welten von Tolkien. Ebenfalls sehenswert ist das Beinhaus bei der St.-Jakobs-Kirche. Es ist eines der größten seiner Art und entführt die Besucher in die Vergangenheit, als dort mehr als 50.000 Opfer von mittelalterlichen Pest- und Cholera-Seuchen, kriegerischen Auseinandersetzungen und der schwedischen Belagerung bestattet wurden. Es soll gruseliger sein als das Beinhaus in Paris und Besucher mit einem wohligen Schauer zurücklassen.

Quelle: CzechTourism Deutschland c/o AHM Kommunikation