Eselsburger Tal auf der Schwäbischen Alb. - Wo Mythen und Legenden leben: Sagenhafte Orte in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg, Deutschland

Wo Mythen und Legenden leben: Sagenhafte Orte in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ist ein Land der Sagen und Mythen. Seit Generationen beflügeln bizarre Felsformationen, dunkle Höhlen, geheimnisvolle Ruinen und tiefgründige Seen die Fantasie der Menschen. Sie sind zur Heimat zahlreicher Geschichten geworden. Eine Reise zu den Schauplätzen offenbart ihren Zauber.

Burgruine Dilsberg: Bienchen und Blümchen

Um die Burgruine Dilsberg in Neckargemünd ranken sich verschiedene Sagen. Die wohl bekannteste trägt den Namen „Die Rose vom Dilsberg“. Sie erinnert an die Tochter des Grafen Heinrich von Düren, um deren Hand gleich zwei Verehrer anhielten. Zu einer Hochzeit kam es allerdings nie, denn der Abgewiesene erschlug seinen Konkurrenten hinterrücks während der Hochzeitsvorbereitungen. Aus Kummer stürzte sich die Braut von der Burgmauer. An der Stelle, an der man sie fand, wächst seitdem ein Rosenstrauch mit weißen Blüten. Eine andere Geschichte erzählt, wie tapfere Bauern mit der Hilfe ihrer Bienen einen Angriff auf die Burg vereitelten. An diese listige Verteidigungsstrategie erinnert das „Bienengärtlein“ an der Stadtmauer.

Esslingen: Postreiter-Spuk

In der mittelalterlichen Fachwerkstadt Esslingen erzählt man sich eine echte Schauergeschichte. Protagonist ist der Postreiter Michel, der auf seiner Tour eines Tages einen Ring fand. Doch man glaubte ihm sein Glück nicht, sondern bezichtigte ihn des Diebstahls und Mordes am rechtmäßigen Besitzer. Die Esslinger folterten, quälten und bestraften ihn grausam, indem sie ihn köpften. Michel wurde zu Unrecht hingerichtet. Von da an erschien er Jahr für Jahr in der Michaelisnacht mit seinem Kopf unter dem Arm vor dem Haus des Richters, stieß in sein Horn und verschwand wieder. Erst nach einiger Zeit kam die Wahrheit ans Licht und der wahre Mörder wurde verurteilt. Seither kann der Postmichel endlich in Frieden ruhen. Seit 1916 steht auf dem Fischbrunnenplatz der Postmichelbrunnen, der an die Erzählung erinnert.

Esslingen Altstadt mit St. Dionys.

Burg Teck: Muttersorgen

Unterhalb der Burg Teck führt ein Pfad zum „Sybillenloch“. Der Name der Höhle geht auf die weise Sybille zurück, die dort einst gelebt und Wunder vollbracht haben soll. Mit ihren seherischen Fähigkeiten und verborgenen Schätzen half sie den Menschen. Von anderem Schlag waren ihre drei räuberischen Söhne, die im Tal Angst und Schrecken verbreiteten. Aus Scham kehrte Sybille ihnen den Rücken und fuhr mit flammendem Haar in einem von Wildkatzen gezogenen Feuerwagen durch die Lüfte davon. Wohin, weiß niemand. Doch an der Stelle, an der ihr Wagen die Erde berührte, wächst das Korn bis heute besonders üppig. Davon kann man sich bei einem Besuch der Burg überzeugen.

Blautopf: Nix zu lachen

Mit seinem magischen Farbenspiel aus Grün- und Blautönen beflügelt der Blautopf seit Jahrhunderten die Fantasie. Er inspirierte Eduard Mörike zu seiner „Historie von der schönen Lau“, einem Kunstmärchen um eine Nixe, die mit ihrem entenfüßigen Hofstaat am Grund der Karstquelle lebt. Verbannt von ihrem Mann, einem Donaunix, dem sie nur tote Kinder gebar. Um ihr Lachen beraubt und wankelmütig, provoziert die Lau Überschwemmungen, sucht aber zugleich die Nähe zur Dorfgemeinschaft, die am Ende auch zu ihrer Rettung wird. Aus einem Brunnen im Keller des Gasthauses belauscht sie die Wirtsfamilie, die sie so oft zum Lachen bringt, dass ihr Fluch schließlich gebrochen wird und sie fruchtbar zu ihrem Mann ins Schwarze Meer zurückkehren kann.

Eselsburger Tal: Steinerne Strafe

Vor langer Zeit stand auf dem schroff aufragenden Felsen über dem Ort Eselsburg auf der Schwäbischen Alb eine stattliche Festung. Das Burgfräulein war sehr schön, aber hart und stolz. Kein Bewerber war ihr gut genug, sodass sie am Ende allein blieb. Verbittert untersagte sie ihren jungen Mägden den Kontakt zu Männern. Doch beim täglichen Wasserholen trafen die Mädchen eines Tages auf einen jungen Fischer und gerieten ins Plaudern. Die finstere Burgherrin schöpfte Verdacht, folgte ihnen ins Tal und ... Vom Hass übermannt, ruft sie, als sie die flirtenden Mägde sieht: „Werdet zu Stein! Das ist eure Strafe für euren Ungehorsam!“ Seitdem stehen die Dienerinnen als Felsen am Fischweiher. In der folgenden Nacht wurde die Burgherrin beim Blick von der Burgmauer vom Blitz erschlagen und das Feuer vernichtete die gesamte Anlage.

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Nordrach: Geist des Waldes

Im Waldgebiet Moos bei Nordrach im Schwarzwald streift nachts der „Moospfaff“ umher, um den sich viele Geschichten ranken. Eine besagt, er sei ein Mönch im Kloster Gengenbach gewesen, der sich das Leben nahm und daher keine Ruhe findet. Eine andere beschreibt ihn als Gengenbacher Abt, der das irdische wie das himmlische Gericht zu täuschen suchte und bis heute dafür büßt. Eine weitere Legende verortet ihn im Kloster Allerheiligen. Auf dem Weg zur Heilung eines Kranken in einem entlegenen Dorf habe er versehentlich eine heilige Hostie verloren, nach der er noch immer suche. Im „Moospfaffmonat“ Oktober dreht sich in Nordrach alles um die geheimnisvolle Sagengestalt. Das ganze Jahr über kann man dort Moospfafftorte, Moospfaffkugeln und Moospfafflikör genießen.

Mummelsee: Tödliche Liebe

Der Mummelsee an der Schwarzwaldhochstraße ist für seine dunkle Tiefe und die darin hausenden Wassergeister bekannt. Wer in mondhellen Nächten genau hinschaut, kann die „Mümmlein” tanzen sehen. Die sanften Nixen halfen früher den Menschen im Tal, mussten aber rechtzeitig bei Einbruch der Nacht zu ihrem kristallenen Schloss am Seegrund zurückkehren. Der Erzählung nach vergaß eine von ihnen beim verliebten Tanz mit einem Bauernsohn die Zeit und erreichte das Schloss zu spät. Kurz darauf brandete eine blutrote Welle auf. Das Mümmlein hatte für seinen Liebestanz mit dem Leben bezahlt.

Blick auf den Mummelsee.

Hegau: Adel vs. Klerus

Ruhelos spukt der „Poppele” durch die Hegauer Vulkanlandschaft. Seinen Ursprung hat der Geist und Schirmherr der Singener Fasnet in Popolius Maier, einem grausamen Burgvogt auf dem Hohenkrähen. Er ließ seine Gegner in Verliesen schmoren und kerkerte sogar einen Abt ein. Dieser verwünschte ihn für diesen Frevel: „Wenn deine Burg zerstört ist und von ihr nur noch Ruinen zum Himmel aufragen, sollst du siebenmal 40 Jahre ruhelos zwischen den öden Mauern hausen, rastlos den Hegau durchstreifen und als Kobold die Menschen necken, auf dass sie dir stets aufs Neue fluchen!” Kurz darauf stürzte der Poppele vom Pferd – das Unheil nahm vorzeitig seinen Lauf und hat bis heute kein Ende gefunden.

Bodensee: Nebel der Geschichte(n)

Wenn dichte Nebelschwaden über den Bodensee ziehen, ist das Nebelmännle unterwegs, sagt man. Ein geheimnisvoller Geselle mit silbernem Bart, der mit seinem Nebelrock durch die Dörfer streift, Schiffsleute in die Irre führt und den Weinreben Schaden zufügt. Die mündlich überlieferte Sage wurde von Ludwig Uhland aufgeschrieben. Hauptfigur ist der Ritter Rudolf von Bodman, der einst in die Welt zog und dort auf den Nebelmann traf. Dieser bot ihm Gefallen gegen Gefallen an. Um die erneute Heirat seiner in der Heimat verbliebenen Gemahlin zu verhindern, versprach der Ritter dem Nebelmann schließlich, die Nebelglocke in Bodman nicht mehr läuten zu lassen. Noch heute soll die versenkte Glocke bei niedrigem Wasserstand zu sehen sein. Seither lebt das Nebelmännle in Ruhe im „Löchle“, einer besonders tiefen und nie zugefrorenen Stelle des Bodmaner Sees.

Quelle: Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg