Regionalzug der Rhätischen Bahn bei Arosa. - Wie die Rhätische Bahn den Winterbetrieb sichert
Graubünden, Schweiz

Wie die Rhätische Bahn den Winterbetrieb sichert

Kalte Jahreszeit in der Schweiz: In Graubünden prägen Schneefall, Minustemperaturen und Lawinengefahr den Winter. Während winterliche Extrembedingungen andernorts schnell zu Einschränkungen führen, bleibt der Betrieb der Rhätischen Bahn auch in der kalten Jahreszeit ein verlässlicher Bestandteil des Alltags. Das ist möglich, weil die Rhätische Bahn den Winterbetrieb nicht als Ausnahme, sondern als festen Bestandteil des täglichen Betriebs versteht – organisatorisch, personell und infrastrukturell.

Winterbetrieb als eingeplante Realiät

Das 384 Kilometer lange Streckennetz der Rhätischen Bahn verläuft nahezu vollständig im alpinen Raum. Schnee, Wind und Kälte gehören hier zum Alltag. Entsprechend organisiert die Rhätische Bahn den Winterbetrieb nicht als Reaktion auf Extremwetter, sondern plant ihn dauerhaft ein. Teams räumen und kontrollieren täglich Weichen, Gleise, Tunnelportale und Bahnübergänge – häufig nachts, bei eingeschränkter Sicht und starkem Wind. Auf hochgelegenen Abschnitten wie der Bernina- oder der Albulalinie treten Schneeverwehungen und hohe Schneelasten eher regelmäßig als ausnahmsweise auf.

Entscheidungen dort, wo sie wirken

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der dezentralen Entscheidungslogik. Die Rhätische Bahn unterteilt ihr Streckennetz in regionale Abschnitte, für die spezialisierte Teams verantwortlich sind. Diese beurteilen Wetterentwicklungen, Lawinengefahr und Streckenzustände vor Ort, teilweise sogar auf Ebene einzelner Hänge. Entscheidungen über Sperrungen, Anpassungen oder zusätzliche Sicherungsmaßnahmen fallen somit regional und kurzfristig. Prognoseunsicherheiten fließen bewusst in die Entscheidungsfindung ein. Im Zweifel hat Sicherheit Vorrang vor Betriebsstabilität.

Aktives Sicherheits- und Risikomanagement

Der Winterbetrieb der Rhätischen Bahn basiert auf einem präventiven Naturgefahrenmanagement. In Zusammenarbeit mit externen Fachstellen wie dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung Schweiz (SLF) sowie spezialisierten Sicherheitsunternehmen analysiert die Rhätische Bahn laufend die Schneeverteilung, die Lawinengefahr und die Wetterentwicklungen. Bei erhöhter Gefährdung sperrt sie Streckenabschnitte frühzeitig und führt kontrollierte Lawinensprengungen durch – teils per Helikopter, teils über fest installierte Systeme. Ergänzend schützen bauliche Maßnahmen wie Lawinengalerien und Verwehungszäune die Infrastruktur. Allein in der Wintersaison 2023/24 setzte die Rhätische Bahn rund 1 900 sicherheitsrelevante Maßnahmen um.

Erfahrung, Personal und eingespielte Abläufe

Über 100 Mitarbeitende stehen im Winterbetrieb regelmäßig im Einsatz – von den Schneeräum- und Infrastrukturteams über die Lokführerinnen und Lokführer bis hin zu den Lawinenexpertinnen und -experten. Viele von ihnen arbeiten seit Jahren auf denselben Streckenabschnitten. Diese Erfahrung prägt die Abläufe: Die Teams beginnen die Räum- und Kontrollarbeiten oft mitten in der Nacht, setzen spezielle Schneeräumfahrzeuge ein und übernehmen manuelle Einsätze an sensiblen Punkten. Winterbetrieb ist dabei weniger eine Frage einzelner Maßnahmen als das Ergebnis eingespielter Prozesse und einer entsprechenden Unternehmenskultur.

Regionalzug auf dem Langwieserviadukt in Graubünden.

Mobilität als öffentliche Verantwortung

Gerade im Winter zeigt sich die gesellschaftliche Rolle der Rhätischen Bahn besonders deutlich. Sie verbindet abgelegene Täler mit regionalen Zentren und stellt sicher, dass Arbeitswege, Schulbesuche, medizinische Versorgung und Gütertransporte auch bei schwierigen Bedingungen möglich bleiben. Wenn Straßen witterungsbedingt nur eingeschränkt befahrbar sind, erweist sich die Bahn häufig als das verlässlichste Verkehrsmittel.

Der Winter als Maßstab

Was die Rhätische Bahn ausmacht, ist ihr Umgang mit dem Winter selbst: Schnee, Eis und Naturgefahren betrachtet sie nicht als Störung, sondern als Planungsmaßstab. Sie betrachtet Schnee, Eis und Naturgefahren nicht als Störung, sondern als Planungsmaßstab. Organisation, Infrastruktur und Entscheidungsprozesse sind bei der Rhätischen Bahn konsequent darauf ausgerichtet, auch unter anspruchsvollen Bedingungen zu funktionieren. Der Winter wird so jedes Jahr zum Belastungstest – und zur Bestätigung eines Systems, das auf Verlässlichkeit unter Druck ausgelegt ist.

Über die Rhätische Bahn

Mit ihren traditionsreichen Gebirgsstrecken bietet sie bereits seit 1889 eine Reihe außergewöhnlicher Bahnerlebnisse in der Region Graubünden in der Schweiz. Der anfänglich von Landquart bis Klosters reichende Betrieb umfasst heute ein insgesamt 384 Kilometer langes Bahnnetz inmitten des Hochgebirges – ein Teil der Linien zählt seit 2008 zum UNESCO-Welterbe. Mit dem Bernina Express und dem Glacier Express verfügt die Rhätische Bahn über Marken, die weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt sind. Informationen und Buchung unter www.rhb.ch.

Quelle: Rhätische Bahn c/o Wilde & Partner Communications GmbH