In Grindelwald und der gesamten Jungfrau Region ist die Alpwirtschaft nicht nur während des Alpkäsefests und der Alpabfahrt erlebbar. - Wenn der Alpsommer zu Ende geht: Alpkäsefest und Alpabzug in Grindelwald
Schweiz

Wenn der Alpsommer zu Ende geht: Alpkäsefest und Alpabzug in Grindelwald

Wenn im September auf der Großen Scheidegg oberhalb von Grindelwald die Käsespeicher ihre Türen öffnen, wird sichtbar, was in den Monaten zuvor auf den Alpen entstanden ist. Kühe, Rinder und Ziegen haben den Sommer auf den höher gelegenen Weiden verbracht. Täglich wurde gemolken, gekäst und die Tiere wurden gepflegt. Beim Alpkäsefest am 19. September 2026 stehen die Produkte dieses Alpsommers im Mittelpunkt.

Später im Herbst richtet sich der Blick noch einmal auf die Tiere selbst. Dann kehren die Herden bei der Alpabfahrt zurück ins Tal. Beide Anlässe zeigen eine Seite Grindelwalds, die weit über Brauchtum hinausgeht. Hinter geschmückten Kühen, Käse und Alpweiden steht eine seit Jahrhunderten bestehende Form der Landwirtschaft, die den Alltag der Region bis heute prägt.

Ein Alpsommer, konserviert in Käse

Beim Alpkäsefest auf der Großen Scheidegg öffnen von 12 bis 17 Uhr die geschmückten Spycher, die traditionellen Käsespeicher. Angeboten und verkostet werden Mutschli sowie frischer und länger gereifter Alpkäse, dazu Alpbutter, Zopf, Konfitüren und weitere Produkte aus der Landwirtschaft. Musik begleitet den Nachmittag zwischen den einzelnen Speichern.

Die Zahlen hinter dem Fest zeigen, wie viel Arbeit bis dahin geleistet wurde. Auf der Großen Scheidegg verbringen allein in fünf Senntümern 164 Kühe den Sommer, hinzu kommen mehr als 96 Ziegen sowie Jungvieh und Mutterkühe. Die Kühe werden zweimal täglich von den Weiden zum Melken geholt – unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder Regen über die Alp zieht. Den ganzen Sommer über wird Käse produziert und anschließend täglich gepflegt.

Noch größer werden die Dimensionen beim Blick auf die benachbarte Alp Grindel. Dort werden rund 190 Kühe und 70 weitere Rinder gesömmert. Aus der Milch einer Kuh entstehen während eines Alpsommers etwa 90 bis 120 Kilogramm Berner Alpkäse. Insgesamt kommen so auf der Alp Grindel rund 18 bis 20 Tonnen Käse pro Saison zusammen.

Und trotzdem schmeckt nicht jeder Alpsommer gleich. Höhenlage, Vegetation und Witterung beeinflussen die Milch – und damit auch den Käse. So wird jeder Laib ein Stück weit zum kulinarischen Protokoll der vergangenen Monate.

Alpkäsefest auf der Großen Scheidegg.

Sieben Bergschaften und Regeln, die seit Jahrhunderten funktionieren

Hinter dieser Alpwirtschaft steht eine Besonderheit Grindelwalds: die sieben Bergschaften Bussalp, Holzmatten, Bach, Grindel, Scheidegg, Wärgistal und Itramen. Zu jeder Bergschaft gehört eine gleichnamige Alp, die gemeinschaftlich bewirtschaftet wird.

Die Grundzüge dieses Systems sind mehr als 500 Jahre alt. Bereits im Jahr 1404 wurden Regeln zur Nutzung der Alpen schriftlich festgehalten, 1538 folgte der Taleinungsbrief. Eine aktuelle Fassung besteht bis heute. Die Bergschaften sind weiterhin öffentlich-rechtliche Körperschaften und organisieren unter anderem die Nutzung und Pflege der Alpen.

Auch die gemeinschaftliche Arbeit hat einen eigenen Namen: „Tagwann”. Bevor die Tiere im Frühsommer auf die Alp ziehen, werden gemeinsam Zäune errichtet, Brunnen vorbereitet und Weiden gepflegt. Im Jahr 2026 fanden diese Arbeiten Ende Mai auf der Grossen Scheidegg statt, bevor die ersten Kühe Anfang Juni auf die Alp zogen.

Genau das macht das Alpkäsefest und den Alpabzug interessant: Hier wird keine historische Lebensweise für die Besucher nachgestellt. Diese Strukturen bestimmen bis heute ganz konkret, wie die Alpen bewirtschaftet werden.

Wenn die Herden zurückkehren

Der Alpabzug folgt später im Herbst. Einen festen Termin dafür gibt es bewusst nicht. Wann die Tiere die Alpen verlassen, richtet sich vor allem nach den Bedingungen vor Ort. Wie lange reicht das Futter auf den Weiden? Wie entwickelt sich das Wetter? Kommt früher Schnee, kann sich die Rückkehr ins Tal entsprechend vorziehen.

Wie unmittelbar diese Entscheidung vom Verlauf eines Alpsommers abhängt, zeigte sich beispielsweise im Jahr 2024 auf der Alp Grindel. Damals fiel Mitte September Schnee bis in die Vorsassen. Die Tiere mussten mit Heu gefüttert werden und ein Teil der Herden wurde früher als geplant von der Alp gebracht.

Genau deshalb lässt sich der Termin der Alpabfahrt nicht wie bei einer klassischen Veranstaltung Monate im Voraus festlegen. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, ziehen die Tiere nach ihrem Sommer auf den höher gelegenen Weiden zurück ins Tal. Festlich geschmückte Kühe und große Glocken sorgen dabei für die Bilder, die viele mit dem Schweizer Bergherbst verbinden.

Alpabzug im Grindelwald

Für die Älpler und Bauernfamilien bedeutet dieser Tag jedoch vor allem den Abschluss einer intensiven Saison. Die Tiere und Menschen kehren zurück, die Arbeit auf der Alp endet und ein weiterer Alpsommer ist geschafft. Gerade diese Abhängigkeit von Wetter, Vegetation und Natur macht den Alpabzug zu dem, was er bis heute ist: kein inszeniertes Spektakel mit festem Termin, sondern ein fester Bestandteil des landwirtschaftlichen Jahres.

Entdecken Sie den Alpsommer auch kulinarisch

In Grindelwald und der gesamten Jungfrau Region ist die Alpwirtschaft nicht nur während des Alpkäsefests und der Alpabfahrt erlebbar. Regionale Produkte und Spezialitäten gehören vielerorts ganz selbstverständlich zur Küche und bringen den Geschmack der umliegenden Alpen auf den Teller.

Auch die Restaurants auf den Ausflugsbergen der Jungfraubahnen verwenden lokale Produkte und bieten Gästen die Möglichkeit, Käse und weitere Spezialitäten aus der Region dort zu probieren, wo sie ihren Ursprung haben. So schließt sich der Kreis vom Alpsommer über die Käseproduktion bis hin zum kulinarischen Erlebnis inmitten der Bergwelt.

Über die Jungfrau Region

Die Jungfrau Region zählt zu den bekanntesten und beeindruckendsten Destinationen der Schweizer Alpen. Eingebettet zwischen majestätischen Gipfeln wie Eiger, Mönch und Jungfrau vereint sie spektakuläre Natur, traditionsreiche Bergkultur und erstklassige Freizeitmöglichkeiten. Grindelwald, eines der bekanntesten Dörfer der Region, ist das Tor zu weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie dem Jungfraujoch – Top of Europe oder der legendären Eiger-Nordwand.

Seit über 100 Jahren ermöglichen die Jungfraubahnen spektakuläre Bergfahrten in die hochalpine Welt. Die 1912 eröffnete Jungfraubahn führt Reisende zum höchstgelegenen Bahnhof Europas auf 3.454 Metern und eröffnet ein einzigartiges Panorama auf das UNESCO-Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch. Mit der 2020 eröffneten V-Bahn haben Gäste direkten Zugang zur imposanten Bergwelt – schnell, komfortabel und nachhaltig.

Ob im Sommer beim Wandern und Mountainbiken oder im Winter in einem der größten Skigebiete der Region: Die Jungfrau Region begeistert das ganze Jahr über mit authentischen Erlebnissen und unvergesslichen Naturmomenten.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.jungfrau.ch, www.grindelwald.swiss

Quelle: Jungfrau Region c/o Wilde & Partner Communications GmbH