An den Ufern des Lechs, an seinen Flussarmen oder an kleinen Bächen kann so mancher Wanderer Biber bei der Arbeit beobachten. - Tierisch gute Gründe für eine Herbstwanderung auf dem Lechweg

Tierisch gute Gründe für eine Herbstwanderung auf dem Lechweg

Der Herbst zieht ein und am Lechweg beginnt eine ruhigere Zeit. Allein sind Wanderer dennoch keineswegs, denn entlang des Lechs, zwischen den Bäumen und hoch oben in den Bergen leben zahlreiche tierische Weggefährten. Mal verrät ein Geräusch, mal eine Spur, wer hier zu Hause ist. Mit etwas Aufmerksamkeit und Respekt für die Umgebung wartet vielleicht eine überraschende Begegnung, die in Erinnerung bleibt.

Kleine Landschaftsarchitekten ganz groß

Angenagte Baumstämme, frische Holzspäne oder aufgestaute Flussarme zeugen von einem bemerkenswerten Comeback: Der Biber ist zurück. Fast 200 Jahre war er aus Tirol verschwunden; Anfang der 2000er-Jahre wanderte er von Bayern wieder ins Lechtal ein. Dort findet der tierische Landschaftsarchitekt beste Bedingungen. Überflutungszonen, ausgedehnte Auwälder, Seitenarme und Zuflüsse prägen das alpine Flusstal in Österreich.

Vor allem die ruhigeren Gewässer abseits des wilden Hauptstroms bieten ihm den idealen Lebensraum. Er fällt Bäume, baut Dämme und schafft so neue Kleingewässer und Feuchtflächen, von denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren. Im Naturpark Tiroler Lech zählt er zu den charakteristischen Arten, die es zu erhalten gilt.

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Der König der Alpen am Lechweg

Vom beinahe ausgestorbenen „König der Alpen” zu einer der größten Steinbockkolonien Europas: Wanderer, die heute auf dem Lechweg unterwegs sind, kreuzen den Schauplatz einer Erfolgsgeschichte. Anfang des 19. Jahrhunderts hatten Aberglaube und intensive Bejagung den Alpensteinbock auf einen Restbestand von nur etwa 100 Tieren im italienischen Gran-Paradiso-Nationalpark reduziert. Im Jahr 1821 wurden die verbliebenen Tiere unter Schutz gestellt – der Grundstein für ihre Rückkehr in den Alpenraum war gelegt.

Am Arlberg begann die Wiedereinsetzung im Jahr 1958, woran noch heute das bronzene Steinbock-Denkmal nahe der Alpe Formarin erinnert, an der die erste Etappe des Lechwegs vorbeiführt. Mittlerweile leben im Lechquellgebiet rund 600 Steinböcke und bilden eine der größten Kolonien Europas. Mit etwas Glück lassen sich die imposanten Kletterer zwischen Felsen und Bergwiesen aus respektvoller Entfernung entdecken – wenn man den Blick abseits des Wanderwegs richtet.

Gefiederte Gäste auf der Durchreise

Gerade im Herbst lohnt es sich, öfter nach oben zu schauen. Denn während sich die Landschaft langsam verfärbt, herrscht in der Luft reger Reiseverkehr. Rund 110 Brutvogelarten finden in den vielfältigen Lebensräumen des Naturparks Tiroler Lech ihr Zuhause. Einen Logenplatz für dieses Naturschauspiel bietet die Pflacher Au bei Reutte, die direkt am Lechweg liegt. Zwischen Bächen, Tümpeln und Röhricht fühlen sich heimische Vögel wohl. Zugleich legen Zugvögel auf ihrer Durchreise zum Winterquartier hier einen Stopp ein.

Wer ebenfalls eine Pause vom Wandern einlegen möchte, kann auf den 18 Meter hohen Vogelbeobachtungsturm steigen und den 360-Grad-Blick über den Auenwald genießen. Welche gefiederten Gäste zu sehen sind, hängt von Wetter, Zeitpunkt und Zuggeschehen ab. Also: Fernglas nicht vergessen und für einen Moment auf Erkundungstour gehen – auf Wunsch auch mit einem Naturparkguide.

Über den Lechweg

Mit den Gipfeln der Lechtaler und Allgäuer Alpen als Kulisse verläuft der „Lechweg – von der Quelle bis zum Fall“ auf rund 125 Kilometern entlang eines der letzten Wildflüsse Europas. Seit 2012 führt er Wanderer durch verschiedene Landschaften – von alpinen Höhen bis in weite Täler. Die Route startet am Formarinsee, passiert Warth in Vorarlberg in Österreich, durchquert die Tiroler Naturparkregionen Lechtal und Reutte und endet schließlich am Lechfall im bayerischen Füssen. Damit verbindet er drei Regionen und zwei Länder mit ihren jeweiligen Geschichten, Traditionen und Sehenswürdigkeiten.

Die moderate Strecke ist in insgesamt 15 Abschnitte unterteilt und kann in sieben bis zehn Etappen absolviert werden – auch in umgekehrter Richtung. Für mehr Komfort stehen auf Wunsch ein Gepäcktransport und kostenlose öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung. Am Wegesrand finden sich zahlreiche Produkte des Lechwegs aus Landwirtschaft und Handwerk. 2012 wurde der Lechweg als erste grenzüberschreitende Weitwanderung von der Europäischen Wandervereinigung (EWV) als „Leading Quality Trail – Best of Europe” zertifiziert.

Quelle: Verein Lechweg c/o AHM Kommunikation