Aras an der Collpa Colorado im Nationalreservat Tambopata. - Sechs Naturwelten, ein Land: Eine Reise durch Perus Ökosysteme
Peru

Sechs Naturwelten, ein Land: Eine Reise durch Perus Ökosysteme

Peru ist eine Wunderwelt natürlicher Vielfalt. Auf dem Weg vom Pazifik über die höchsten Gipfel bis ins Amazonasgebiet wechseln sich Wüste und Gletscher, Vulkane und Hochlandseen sowie tropischer Regenwald ab. In Nationalparks und Schutzgebieten wird diese Vielfalt bewahrt und es werden intensive Begegnungen mit Landschaften, Tieren und Einheimischen ermöglicht.

Eine Oase im Dünenmeer: die Wüste von Ica

Auf den ersten Blick regt sich kaum etwas. Meterhohe Dünen erstrecken sich bis zum Horizont, der Wind formt immer neue Konturen und die Sonne taucht die Landschaft am Abend in goldenes Licht. Doch die Wüste von Ica hat weit mehr zu bieten als Sand. Eidechsen und zahlreiche Vogelarten haben sich an Sonne und Trockenheit angepasst, während grüne Akzente in der weiten Wüstenlandschaft von Huarango-Bäumen und anderen widerstandsfähigen Pflanzen gesetzt werden. Für einen besonderen Überraschungsmoment sorgt die von Palmen gesäumte Oase Huacachina, die sich gleich einer Fata Morgana aus den Dünen erhebt.

Am Ende des Aufstiegs wartet Türkis – Huascarán Nationalpark, Áncash

Mit jedem Höhenmeter wird die Luft dünner. Während die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Blanca immer näher rücken, führt der Weg vorbei an Bächen, Felsen und Hochlandvegetation. Plötzlich liegt sie da: die Laguna 69, intensiv türkisblau und eingerahmt von mächtigen Bergflanken und Gletschern.

Der Huascarán-Nationalpark schützt einen großen Teil der Cordillera Blanca, der höchsten tropischen Gebirgskette der Erde. Gletscher, Täler und Hunderte Hochgebirgsseen prägen die Landschaft. Es werden Wanderungen zur Laguna 69 und zu den Lagunen von Llanganuco angeboten. Mehrtägige Trekkingtouren laden dazu ein, tiefer in die Bergwelt einzutauchen und die eindrucksvollen Landschaften der Cordillera Blanca hautnah zu erleben. Am Wegesrand fasziniert die Puya Raimondi, auch Königin der Anden genannt, deren Blütenstand mehrere Meter hoch werden kann.

Vicuñas und Vulkane im Salinas y Aguada Blanca Nationalreservat

Zunächst erscheinen nur ein paar helle Punkte in der weiten Ebene. Dann zeichnen sich schlanke Silhouetten vor der kargen Landschaft ab: Eine Gruppe Vicuñas zieht durch das Hochland vor der Kulisse der Vulkane rund um Arequipa.

Das Salinas y Aguada Blanca Nationalreservat erstreckt sich rund um Arequipa und schützt auf etwa 367.000 Hektar eine charakteristische Landschaft der südlichen Anden. Vicuñas, Tarucas und Flamingos leben dort zwischen Lagunen, Feuchtgebieten und Hochflächen. Der nachhaltige Schutz und die Nutzung der Vicuñas kommen auch den lokalen Gemeinden zugute: Sie beteiligen sich an der kontrollierten Schur der Tiere und erzielen durch die Gewinnung ihrer wertvollen Wolle ein Einkommen. Über allem thronen Misti, Chachani und Pichu Pichu als natürliche Skyline der Region.

Stille Wasser – Titicaca-Nationalreservat, Puno

Am Abend verschwinden die letzten Boote am Horizont. Das Wasser wird glatt, die Berge am gegenüberliegenden Ufer färben sich dunkelblau und über dem Titicacasee erscheint ein Stern nach dem anderen. Wer in einer Gemeinde auf einer der Inseln übernachtet, hat den höchstgelegenen schiffbaren See der Welt nahezu für sich allein.

Auf rund 3.810 Metern Höhe schützt das Titicaca-Nationalreservat ausgedehnte Totora-Schilfflächen und wichtige Lebensräume für Wasservögel. Seit Generationen nutzen die Menschen das Schilf unter anderem zum Bau traditioneller Boote. Auf der Halbinsel Capachica sowie auf Taquile und Amantaní laden einheimische Familien zu gemeinsamen Mahlzeiten und einer Nacht unter dem klaren Sternenhimmel des Altiplano ein.

Tanz der rosa Delfine – Pacaya Samiria Nationalreservat, Loreto

Zunächst ist nur das leise Plätschern des Wassers zu hören. Dann kräuselt sich die Oberfläche. Ein Rücken taucht auf, verschwindet wieder, bis schließlich ein rosa Flussdelfin das dunkle Wasser durchbricht. Solche Begegnungen machen eine Reise durch das Pacaya-Samiria-Nationalreservat unvergesslich.

Das mehr als zwei Millionen Hektar große Schutzgebiet in Loreto lässt sich am besten per Boot erkunden. Hier leben rosa und graue Flussdelfine, Kaimane und Schildkröten. In den Baumkronen tummeln sich Affen und es gibt unzählige Vogelarten. Nach Einbruch der Dunkelheit stimmen Frösche, Insekten und Vögel ihr nächtliches Konzert an, während im Licht der Taschenlampe die Augen der Kaimane aufleuchten.

BIGDAY PACAYA SAMIRIA im Nationalreservat Pacaya Samiria

Ein Himmel voller Aras – Tambopata-Nationalreservat, Madre de Dios

Der Tag beginnt lange vor Sonnenaufgang. Mit dem Boot geht es über den Tambopata-Fluss und dann heißt es warten. Zunächst sind einzelne Rufe zu hören, dann landen schließlich Dutzende Aras und Papageien an den mineralreichen Lehmwänden der Collpas und bieten ein lautes und farbenprächtiges Naturschauspiel.

Das Tambopata-Nationalreservat in der Region Madre de Dios gehört zu den artenreichsten Regenwaldgebieten Perus. Jaguare, Affen, Harpyien, Riesenotter und Hunderte Vogelarten sind hier zu Hause. Auf Seen wie dem Lago Sandoval gleiten Besucher fast lautlos durch den Regenwald. Palmen spiegeln sich im dunklen Wasser, Affen bewegen sich durch die Baumkronen und mit etwas Glück taucht eine Familie von Riesenottern auf.

Ein Land, sechs Naturwelten

Von feinsandigen Dünen bis zu Gletschern und Lagunen auf mehreren Tausend Metern, vom stillen Titicacasee bis zum vielstimmigen Amazonas-Regenwald: Die Ökosysteme Perus zeigen eindrucksvoll, wie viele unterschiedliche Naturwelten innerhalb eines Landes aufeinandertreffen.

Quelle: Promperú c/o fame creative lab