Beginn der Spendenaktion: Lok RHÆTIA und die Spendenlok 626. - Rückkehr der Lok 1 der Rhätischen Bahn
Graubünden, Schweiz

Rückkehr der Lok 1 der Rhätischen Bahn

Die Rhätische Bahn feiert die Rückkehr eines der bedeutendsten historischen Fahrzeuge der Schweiz: Die Dampflok Nr. 1 mit dem Namen „RHÆTIA”, die 1889 in Betrieb genommen wurde, wird nach einer umfassenden Restaurierung am 19. und 20. September 2026 in Schiers feierlich eingeweiht. Damit erhält die älteste Lok der RhB, eine der zehn ältesten Dampflokomotiven im Land, einen würdigen Platz im aktiven Bündner Bahnerbe. Die kleine, schwarze Lok „RHÆTIA” ist ein großes Symbol für den technischen und touristischen Aufbruch im Kanton Graubünden und bereits seit 1928 ein offizielles Technisches Denkmal.

Kantonale, nationale und internationale Spenderinnen und Spender

Nach ihrem letzten Einsatz im Jahr 2014 war klar: Die Rhätia benötigte eine vollständige Erneuerung. Die genietete Feuerbüchse aus Kupfer, der Kessel mit den Wasserrohren sowie das Fahrwerk und die Räder waren schadhaft und mussten ersetzt oder überholt werden. Die Restaurierung wurde zu einem Gemeinschaftswerk über Kantons- und Landesgrenzen hinweg.

Der größte Knackpunkt war die Finanzierung. Unter dem Namen „Projektgruppe Rhätia” bildeten Mitglieder des „Club 1889” aus Samedan und des „Verein Dampffreunde der Rhätischen Bahn” aus Bonaduz eine Fundraising-Organisation innerhalb ihres Bündner Dachverbands „Historic RhB”. Diese konnte das benötigte Geld bei Stiftungen, Privatpersonen, aber auch bei öffentlichen Ämtern sammeln.

Die Projektgruppe organisierte die Spendenaktion unter dem Motto „Unsere Nr. 1 braucht Kohle”, die von Bahnfreunden aus dem ganzen Kanton und weit darüber hinaus getragen wurde. RhB-Direktor Renato Fasciati stellte dafür sogar eine Werbelok zur Verfügung, die im ganzen Kanton für das Projekt warb. Spenderinnen und Spender aus elf Nationen haben sich mit weit über einer Million Franken an der Restaurierung der Rhätia beteiligt.

Enthüllung des Spendenstandes auf der RhB-Werbelok.

Privater Verein unterstützt die RhB bei Restaurierungsprojekten

Der Club 1889 ist ein privater Verein, der seit über 30 Jahren uneigennützig historische Fahrzeuge der Rhätischen Bahn restauriert. Als zuverlässiger Partner hat er bald zwanzig einsatzfähige historische Loks und Wagen der Bündner Staatsbahn ins Eigentum übergeben – zur großen Freude von Bahnfreunden aus aller Welt. Die Rhätische Bahn legt im Rahmen ihres touristischen Angebots großen Wert auf ihr rollendes Bahnerbe. Mit der RHÆTIA erhält sie ihren eigentlichen Gründerzug zurück, bestehend aus den bereits durch den Club 1889 restaurierten Reisezugwagen aus der gleichen Epoche. Es gibt weltweit nur sehr wenige Bahnen, die eine so alte, originale und betriebsfähige Zugskomposition aus den Anfängen der Bahn ihr Eigen nennen dürfen.

Breite Unterstützung vieler Firmen und Institutionen

Bei der Restaurierung der Rhätia spielten für die Projektgruppe und weitere Bündner Bahnvereine vor allem die folgenden Projektpartner eine wichtige Rolle:

  • Rhätische Bahn: technische Leitung, Hauptwerkstätte Landquart, Fertigung neuer Räder, Revision zahlreicher Komponenten
  • North Norfolk Railway (NNR, England): kompletter Ersatz der genieteten Kupferfeuerbüchse und Reparatur des Dampfkessels mit viel Handarbeit
  • Bündner Denkmalpflege – fachliche Begleitung und Sicherstellung der historischen Authentizität
  • Swiss Railway Services: Schnittstelle zur NNR, Qualitäts- und Zeitmanagement zwischen Großbritannien und Graubünden
  • Club 1889 und Verein Dampffreunde der Rhätischen Bahn: Initiierung, Fundraising, historische Recherchen

Heute präsentiert sich die Rhätia in etwa wieder so, wie sie 1889 abgeliefert wurde: elegant schwarz mit metallfarbenem Rahmenband und handgemalten roten Zierlinien. Dieses Bild wurde durch historische Recherchen und kolorierte Archivbilder akribisch rekonstruiert. Einige Umbauten der letzten 137 Jahre wurden aus technischen bzw. Sicherheitsgründen nicht rückgängig gemacht.

Operette am Gleis – Musiktheater direkt vor der Lok

Der kulturelle Höhepunkt des Einweihungswochenendes am 19./20. September 2026 ist die eigens für die Lok 1 geschaffene Operette am Gleis. Das Musiktheater greift die Eröffnung der Landquart–Davos-Bahn im Jahr 1889 auf.

Süffige Melodien, die mit ungewöhnlichen Stimm- und Instrumentenkombinationen dargeboten werden, wechseln sich mit Szenen über den Bahnbau und den gesellschaftlich-industriellen Umbruch ab. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Holsboer, da Willem Jan Holsboer, der spätere Schweizer Bürger, der große Initiant der Bahnverbindung von Landquart nach Davos war.

Das Stück wird am Samstag und Sonntag insgesamt vier Mal bei einer großen, offenen Zuschauertribüne am Holzverladegleis in Schiers aufgeführt – natürlich direkt vor der Lok 1 mit den authentischen Reisezugwagen. Die Rhätia und ihre Wagen sind Kulisse und stumme Protagonisten zugleich.

Künstlerisch am Musiktheater beteiligt sind

  • Lorenzo Polin (Libretto, Regie und Inszenierungsberatung)
  • Otfried Richter und J. Ryan Garber aus den USA (Kompositionen).
  • Linuk Robertson (Liedtexte)
  • Nora Bertogg (Sopranistin und Schauspielerin)
  • Frank Bakker (Schauspieler)
  • Tschoo Tschoo Singers aus Schanf unter Leitung von Jürg Keller
  • Reto Grundbacher (Kontrabass)
  • Darstellerinnen und Darsteller aus dem Prättigau und dem Engadin
  • Drehorgelspielerinnen und -spieler aus der Schweiz und Deutschland

Ideengeber und Initiant der Operette ist Max Kessler, Präsident des Drehorgelfestivals Engadin und künstlerischer Operettenleiter. Ihm ist es zu verdanken, dass die Operette nicht nur ein Theaterstück, sondern ein herzhaftes musikalisches Volksfest geworden ist, ganz im Sinne des klassischen Volkstheaters.

Max Kessler ist es zudem gelungen, die Ländlerkapelle Oberalp für ein großes sonntägliches Frühschoppenkonzert zu gewinnen – gemeinsam mit den Tschoo Tschoo Singers, Drehorgelspielerinnen und Drehorgelspielern sowie Nora Bertogg. Dieses Konzert findet am Sonntagmorgen vor der dritten Operettenaufführung statt und bildet einen zusätzlichen Höhepunkt des Festwochenendes.

Termine

Operette

  • Freitag, 18.09.2026, 17:30–20:00 Uhr: Premiere mit geladenen Gästen
  • Samstag/Sonntag, 19./20.09.2026, 13:30–15:00 Uhr und 18:30–20:00 Uhr

Dampfzug-Fahrplan – Anreise wie 1889

Zum Festwochenende verkehrt der Gründerzug zwischen Landquart und Schiers. In Schiers wird der Dampfzug ins Freilichttheater gefahren und dient dort als Kulisse.

Samstag/Sonntag, 19./20. September

  • Landquart ab 12:19 Uhr – Schiers an 12:45 Uhr
  • Schiers ab 15:45 Uhr – Landquart an 16:10 Uhr
  • Landquart ab 17:19 Uhr – Schiers an 17:45 Uhr
  • Schiers ab 20:45 Uhr – Landquart an 21:10 Uhr

Frühschoppenkonzert mit der Kapelle Oberalp

  • Sonntag, 20.09.2026, 10:30–12:30 Uhr

Die Fahrt im Gründerzug ist nur zusammen mit Operettentickets buchbar.

Der Dachverband Historic RhB führt vor Ort eine Abendkasse, bei der auch kurzfristig alle Tickets gekauft werden können. Neben dem Online-Ticketverkauf besteht die Möglichkeit, Fahrkarten auch im Bahnmuseum Albula in Bergün und im Historic-RhB-Bahnhof in Bonaduz zu erwerben.

Weitergehende Informationen unter: www.club1889.ch und www.club1889.ch/rhaetia-einweihung (inkl. Tickets).

Quelle: Rhätische Bahn c/o Wilde & Partner Communications GmbH