In Österreich gibt es eine Gemeinde, die die kleinste ist, die liegt im Tiroler Lechtal auf über 1.300 Metern Höhe. Sie heißt Gramais und hat rund 40 Einwohner. - NOvertourism: Orte abseits der Touristenmassen

NOvertourism: Orte abseits der Touristenmassen

Wer heute unterwegs ist, kennt dieses Szenario nur zu gut: überfüllte Sehenswürdigkeiten, gedrängte Gassen und Selfiesticks, soweit das Auge reicht. Es ist also kein Wunder, dass immer mehr Reisende nach Alternativen suchen – Orten, an denen sie Natur, Kultur und Ruhe noch ungestört erleben können. Urlaub jenseits des Trubels ist nicht nur möglich, sondern auch richtig erholsam. Das zeigen diese neun Ziele: von stillen Wanderwegen in Bayern über abgelegene Bergdörfer in Tirol bis hin zu ruhigen Tälern in der Schweiz.

Tiroler Lechtal: Verschnaufpause im Auszeitdorf

Abseits von stark befahrenen Hauptstraßen, Hotels und Liftanlagen befinden sich vier versteckte Seitentäler des Tiroler Lechtals in der Berglandschaft der Lechtaler und Allgäuer Alpen.

Die sogenannten Auszeitdörfer Gramais, Hinterhornbach, Pfafflar und Kaisers gelten als Sehnsuchts- und Rückzugsorte für Erholungssuchende. Dank ihrer Höhenlage ab 1.100 Metern freuen sich besonders Allergiker und hitzeempfindliche Menschen über einen erholsamen Urlaub in den kleinen Gemeinden.

Die Magie dieser österreichischen Region liegt im kristallklaren Schmelzwasser der Seitentalbäche Otterbach, Hornbach, Streimbach und Kaiserbach, welche den Wildfluss Lech im Tal speisen. Entsprechend gibt es in den Auszeitdörfern keine künstlich angelegten Becken, sondern nur eine „wilde” Kneippkur.

Kristeinertal in Osttirol: kleine Höfe, große Ruhe

Der Blick öffnet sich auf einen breiten, grünen Talboden, der von sanften Almwiesen und bewaldeten Bergflanken eingerahmt ist. Über Felsen stürzen Bäche und Wasserfälle. Das Kristeinertal zweigt bei Mittewald an der Drau vom Osttiroler Hochpustertal ab und führt in die Villgrater Berge. Der abgelegene, bäuerlich geprägte Naturraum zählt gerade einmal rund 100 Einwohner.

Über Jahrhunderte war das Kristeinertal von Almwirtschaft und kleinstrukturierter Landwirtschaft geprägt. Bis heute prägen einzelne Höfe und Kapellen das alpine Landschaftsbild.

Unser Tipp: Am Fuße des rund 120 Meter hohen Celar-Wasserfalls beginnt der im Jahr 2016 neu angelegte Wasserfallpfad. Er schlängelt sich bergauf und bergab durch einen schattigen Lärchenwald. Wanderer folgen dem Weg bis zu den Aussichtsplattformen in Bachnähe.

Von dort bietet sich eine beeindruckende Aussicht auf die tosenden Wassermassen, die sich talwärts stürzen. Über einen leichten Anstieg erreicht man die bewirtschaftete Gölbnerblickhütte mit der Celarkapelle.

Einsam liegt der Malfonsee in seinem Kessel. Lediglich einige Pferde, die den Sommer im Pettneuertal bei St. Anton am Arlberg verbringen, erfrischen sich hin und wieder in seinem kalten Wasser.

Die große Unbekannte: St. Anton am Arlberg und seine Hochtäler

Nur wenige wissen, wie weitläufig St. Anton am Arlberg ist und dass die Region größtenteils unberührt geblieben ist. Die Tiroler Region ist sogar größer als das Fürstentum Liechtenstein. Von den über 165 Quadratkilometern zählen nur wenige zur Infrastruktur eines der größten Skigebiete der Welt.

Urlauber können also vollkommen ungestört viele unbekannte Hochtäler wie das Fasultal, Ochsental, Pfluntal oder das hintere Malfontal erkunden, die selbst unter Einheimischen als Geheimtipp gelten und nur über Wanderpfade erreichbar sind.

Bei einer kombinierten „E-Bike & Hike“-Tour erreichen Sommergäste hochalpine Orte. Ein Beispiel ist die Route über das Naherholungsgebiet Verwalltal zur Konstanzer Hütte und weiter zum ganzjährig eiskalten Schottensee. Die Sommersaison in St. Anton am Arlberg beginnt am 15. Juni 2026.

Die Splüi von Foroglio im Tessin: das Tal der Resilienz

Zwischen Tälern, Flüssen und Felswänden finden Reisende im Tessin immer wieder Orte, die darauf warten, entdeckt zu werden. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel sind die Splüi im Val Bavona, oberhalb von Foroglio: Traditionelle Unterfelsbauten, die früher von Bergbauern als Steinhäuser genutzt wurden und heute eindrucksvoll mit der Landschaft verschmelzen.

Schon die Anreise mit dem Autopostale von Locarno wirkt Kurve um Kurve wie ein sanfter Übergang aus dem Alltag in die Ruhe der Berge. In Foroglio angekommen, hält man unweigerlich erst einmal inne.

Fasziniert vom imposanten Wasserfall folgen Wanderer anschließend einem ruhigen Weg hinauf zu den zwischen die Felsen gebauten Splüi. Selbst im Hochsommer begegnet man dort nur einer Handvoll Menschen.

Urlaub auf dem Bergbauernhof in Südtirol: Wo Milchkannen per Seilbahn ins Tal fahren

Vogelgezwitscher, Kuhglockengebimmel und das sanfte Rascheln des Windes, der über die Almwiesen streift: Mehr hören Urlauber auf den Bergbauernhöfen des Südtiroler Qualitätssiegels „Roter Hahn“ nicht. Denn oberhalb von 1.500 Metern entspannen sie fernab der Zivilisation.

Wo landwirtschaftliche Flächen aufgrund der Steillagen oft nur von Hand bewirtschaftet werden können, erleben Ruhesuchende und Familien den bäuerlichen Alltag authentisch und ursprünglich. In solchen Höhen sind die meisten Bauern Selbstversorger. Gäste können sich entsprechend direkt aus dem Hofladen mit frischen Produkten aus eigener Produktion eindecken.

Dank der maximal fünf Ferienwohnungen und acht Zimmer ist auch die Anzahl weiterer Gäste überschaubar, sodass Urlauber ganz für sich sein können.

Füssen im Allgäu: Wandern in der Schlossparkregion

Schon Ludwig II. liebte die Natur rund um die Allgäuer Stadt Füssen – allerdings nicht nur wegen ihrer landschaftlichen Schönheit. Vielmehr dienten ihm die einsamen Wege zwischen Gipfeln, Seen und Almen als Orte der Flucht vor der politischen Realität und der von ihm verhassten Gesellschaft.

Nicht umsonst ließ der bayerische Monarch (1845–1886) also genau dort „sein“ Neuschwanstein errichten. Bereits als kleiner Junge wanderte er mit seinen Eltern, Maximilian II. und Marie, durch die erhabene Umgebung.

Bei Touren durch den „Schlosspark im Allgäu“ können sich Aktive heute neben alpiner Natur von den prächtigen Bauwerken der Wittelsbacher (seit 2025 UNESCO-Welterbe) verzaubern lassen – am besten aus der Ferne, wenn sie keine Lust auf Touristen aus aller Welt haben.

Zahlreiche Pfade, die den Spuren des Märchenkönigs folgen, führen auf verschiedenen Höhenlagen und mit schönen Ausblicken durch die Region, etwa ins Pöllattal, auf den Tegelberg oder zur Jägerhütte.

Obwohl die bayerischen Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau (Foto) bei Füssen von internationalen Besuchern stark frequentiert sind, zählt die umliegende Schlossparkregion zu den beschaulichsten Wandergebieten im Allgäu.

Bad Reichenhall in Oberbayern: Fünf Fußminuten von der Stadt ins Landidyll

Es ist schon eine Seltenheit, dass eine Tour direkt im Zentrum einer großen Kreisstadt beginnt – in Bad Reichenhall ist das jedoch ganz normaler Wander-Alltag. Denn auch wenn zahlreiche Besucher die Fußgängerzone des Kurorts im Berchtesgadener Land beleben, so gelangt man doch in nur kurzer Zeit in abgelegene Regionen wie die Nonner Au.

Bis zum Seebach, der an der Saalach entlangführt, könnten noch Begegnungen möglich sein. Hinter der örtlichen Fischzucht zweigt der Weg jedoch Richtung Angerlholzstube ab. Nach ein paar Weilern geht es in aller Stille durch einen wild-romantischen Wald bis zum malerischen Listsee.

Die dort vorherrschende Ruhe steht sinnbildlich für Bad Reichenhalls Rückzugsorte und charakterisiert deren Gesundheitscharakter: Neben dem Bad Reichenhaller Mineralwasser wird auch das örtliche Trinkwasser aus dem Gebiet rund um das glasklare Gewässer gewonnen. Passend dazu endet der Rundweg am Königlichen Kurhaus der Alpenstadt.

Städtetrip-Geheimtipp: Brünn in Tschechien

Wer Tschechien jenseits der touristischen Pfade entdecken möchte, für den ist Brünn (tschechisch Brno) eine charmante Antwort auf die Frage „Wohin denn dann?”. Während die Metropole Prag Jahr für Jahr Besucherströme anzieht, bleibt Brünn angenehm gelassen.

Tschechiens zweitgrößte Stadt verbindet reiche Geschichte mit entspanntem Gegenwartsgefühl: Jugendstil trifft auf Funktionalismus, beispielsweise rund um die Villa Tugendhat, und Kaffeehauskultur auf eine kreative Barszene. Hoch über allem thront die Burg Špilberk, während darunter ein überraschend internationaler und gleichzeitig entspannter Alltag pulsiert.

Kurze Wege, viel Grün und eine ausgeprägte Weinkultur im Umland machen Brünn zu einem idealen Reiseziel für Kultur-, Kulinarik- und Authentizitätsliebhaber. Citytripper entdecken dort Tschechien von einer anderen Seite: jung, lebendig, überraschend und wohltuend unaufgeregt.

Quelle: AHM Kommunikation