Mythenumrankte Energieplätze: Kraft schöpfen in und aus der Natur
Kultstätten, Wasserquellen, Energiezentren: Ihre Formen sind vielfältig und ihre Wirkung oft umstritten, doch Kraftplätze ziehen die Menschheit seit Jahrtausenden in ihren Bann. Als Orte der Ruhe und Meditation, an denen man geistige Stärke schöpfen oder kreisenden Gedanken Einhalt gebieten kann, werden sie noch heute gerne aufgesucht. Ihre Naturgewalten und ihre sagenumwobene Atmosphäre faszinieren und berühren auch Menschen ohne spirituellen Glauben. Die folgende Reise entführt zu mystischen Orten zwischen tosender Gischt und stillen Gipfeln, an denen Drachen Wasserfälle versiegen lassen, Hexen versteinern und ein Kloster auf mysteriöse Weise verschwindet.
Acht mythenumrankte Energieplätze die es zu Entdecken gilt
- Schwarzwald: Die Wassermänner vom Mummelsee
- Bad Reichenhall: Die Sage der Schlafenden Hexe
- Spirituelle Geometrie: Die Kirche von Mogno im Tessin
- Osttirol: Wasser wirkt Wunder
- St. Anton am Arlberg: Im Tal der Stille
- Südtirols Stonehenge: Die Stoanernen Mandln im Sarntal
- Füssen im Allgäu: Das Geheimnis des Alatsees
- Tiroler Lechtal und Lechweg: Das Rätsel des Doser Wasserfalls
Schwarzwald: Die Wassermänner vom Mummelsee
Um den Schwarzwald ranken sich viele Mythen. Seit Anbeginn der Menschheit wurden zwischen seinen mächtigen Gipfeln und Wäldern heilige Stätten errichtet und Kulte verehrt. Auch heute finden sich dort noch verwunschen anmutende Kraftplätze, an denen man die Magie vergangener Zeiten zu spüren scheint.
Ein Beispiel ist der Mummelsee, ein kleines, abgeschiedenes Gewässer, das sich südöstlich von Baden-Baden nahe der Kahlen Hornisgrinde zwischen dunklen Tannen schmiegt. Sein schwarzes Wasser erzählt eine tragische Legende: Einst soll dort ein Kloster spurlos verschwunden sein und an dessen Stelle sei der Wundersee entstanden.
Geschichten von wohltätigen Geistern, unglücklicher Liebe und Tod machen ihn zu einem der geheimnisvollsten Sagenorte des Schwarzwalds. Wenn man am Ufer steht, meint man, in der Stille noch heute das Wispern der Wassermänner zu hören.
Bad Reichenhall: Die Sage der Schlafenden Hexe
Zwar braucht es zunächst etwas Fantasie, doch dann ist sie schnell entdeckt: die „Schlafende Hexe“ im Berchtesgadener Lattengebirge unweit von Bad Reichenhall. Die drei Türme des Rotofen bilden die Silhouette einer schlummernden Frau – vom Busen bis zur spitzen Nase.
Um die Felsformation ranken sich viele Sagen: War sie eine Hexe, die ihr Unwesen gegen Christen trieb und zur Strafe versteinert wurde? Oder war sie eine alte, tüchtige Magd, die dem Zetern ihres Herrn überdrüssig wurde und sich für immer schlafen legte? Heute führt der „Steinerne Agnes Rundweg“ genau zwischen Hexenbusen und -nase entlang.
Die neun Kilometer lange, mittelschwere Wanderung führt zu dem gleichnamigen, ebenso mythenreichen Naturdenkmal, einem 15 Meter hohen Obelisken. An diesem abgeschiedenen Kraftort lässt sich die oberbayerische Landschaft noch fast allein genießen.
Spirituelle Geometrie: Die Kirche von Mogno im Tessin
Kraftplätze sind von einer besonderen Energie umgeben. Im Schweizer Kanton Tessin gibt es mehrere dieser Orte, zum Beispiel im Vallemaggia. Wo der Fluss Maggia seine wilde Kraft sammelt, erhebt sich die außergewöhnliche Kirche San Giovanni Battista wie ein steinernes Gebet. Nach der Lawine von 1986, die das ursprüngliche Gotteshaus zerstörte, schuf der Tessiner Stararchitekt Mario Botta an dieser Stelle ein Bauwerk, das gleichermaßen Mahnmal und Meisterwerk ist.
Der Bau aus Marmor und Gneis ist zylindrisch geformt und schraubt sich mit geometrischer Präzision in den Himmel. Das Glasdach lässt Licht in den Raum fließen. Kein Wunder, dass dieser Ort zu den offiziell ausgewiesenen Kraftorten des Tessins zählt – hier verschmelzen Stein und Licht, Erdung und Erhebung. Kraftvoll verwurzelt und himmelwärts geöffnet gilt die Kirche von Mogno heute als einer der spirituellsten Orte des Tessins.
Osttirol: Wasser wirkt Wunder
Wasser ist ein uraltes Symbol für Erneuerung, Gesundheit und Stärke – und wohl einer der kostbarsten Schätze der Alpen, den die zahlreichen Wasserkraftorte in Osttirol erlebbar machen.
Der Haslacher Schleierwasserfall bei Kals am Großglockner gilt als einer der eindrucksvollsten Kraftorte Osttirols. Mit seiner rund 80 Meter hohen, gewaltigen Wasserwand wirkt er wie ein lebendiger Vorhang aus Licht, Bewegung und pulsierender Energie. Das beständige Rauschen und die feine Gischt schaffen eine Atmosphäre von Reinigung, Erneuerung und unbändiger Energie – ein Platz, an dem die Elemente spürbar aufeinandertreffen und Körper wie Geist neue Lebenskraft schöpfen können.
St. Anton am Arlberg: Im Tal der Stille
Nur wenige Minuten vom Zentrum in St. Anton am Arlberg entfernt liegt das sagenumwobene Verwalltal. Wenn im Winter faustgroße Schneeflocken lautlos vom Himmel fallen und die Gipfel der Verwallgruppe in warmes Abendlicht getaucht sind, entfaltet das Naherholungsgebiet fernab der Skipisten eine meditative Ruhe. Wer auf den weiß bedeckten Wegen spaziert, begegnet mit Glück sogar einem scheuen Reh.
Für eine kurze Aufwärmung rasten Urlauber und Einheimische bereits seit den 1920er-Jahren in der historischen Wagner Hütte. Auch im Sommer zieht das autofreie Verwalltal Wanderer und Erholungssuchende an. Ein ganzjähriger Rückzugsort, um die Batterie wieder aufzuladen.
Südtirols Stonehenge: Die Stoanernen Mandln im Sarntal
Wer weiß schon, was es mit ihnen auf sich hat und wann sie entstanden sind? Die Rede ist von den „Steinernen Männchen“ auf der Hohen Reisch im Sarntal. Die willkürlich arrangierten Steinskulpturen geben Rätsel auf. Die Geschichten über ihre Entstehung reichen vom Zeitvertreib einiger Hirten bis hin zu schaurigen Hexentreffen im Mittelalter. Aufgrund von Felsblockgravuren und Feuersteingeräten wird davon ausgegangen, dass die auf 2.000 Metern Höhe gelegene Bergkuppe schon in der Steinzeit ein Kultplatz war.
Heute gelten die „Stoanernen Mandln“ als der sagenumwobenste Ort im nahen Sarntal sowie in der Gegend rund um den Tschögglberg und als der wohl bedeutendste Kraftplatz Südtirols. In einer der ursprünglichsten Ecken des Landes gelegen, bietet der geheimnisumwitterte Almrücken Wanderern Fernsicht bis zu den Dolomiten. Rund um die Hohe Reisch gibt es insgesamt 38 Urlaubsbauernhöfe der Marke „Roter Hahn”, von denen aus zahlreiche Wandertouren zu den „Steinmännern” führen.
Füssen im Allgäu: Das Geheimnis des Alatsees
Oberhalb des Füssener Ortsteils Bad Faulenbach liegt der mystische Alatsee. Um das bis zu 32 Meter tiefe, kristallklare Berggewässer ranken sich wilde Legenden, denn Purpur-Schwefelbakterien verleihen ihm mitunter eine eigentümlich blutrote Farbe. Auch Spekulationen über dort versenktes Nazigold am Ende des Krieges wabern durch die Gerüchteküche.
Umgeben von solchen geheimnisvollen Sagen zieht der Ort Einheimische wie Besucher gleichermaßen an, die hier ein erfrischendes Bad nehmen oder auf dem schattigen Rundweg spazieren gehen. Der See diente außerdem als Schauplatz im Allgäuer Kluftinger-Krimi „Seegrund” des erfolgreichen Autorenduos Kobr und Klüpfel. In der Sommersaison werden für Interessierte Seegrund-Führungen auf den Spuren des kauzigen Kommissars „Klufti“ angeboten.
Tiroler Lechtal und Lechweg: Das Rätsel des Doser Wasserfalls
Im Tiroler Lechtal, im Weiler Luxnach bei Häselgehr entlang des Lechwegs, zeigt sich regelmäßig ein mysteriöses Naturphänomen: Jedes Jahr am 11. November versiegt der Tuoser Wasserfall plötzlich, um am 23. April wieder zu sprudeln. Dann tritt der Tuoserbach wild schäumend aus einer Felsengrotte hervor.
Der Legende nach ist ein Drache für die sonderbare Erscheinung verantwortlich. Wissenschaftler hingegen vermuten einen unterirdischen See, der durch die Schneeschmelze überläuft. Der wahre Grund für das rätselhafte Verschwinden ist allerdings immer noch nicht endgültig geklärt. Aufgrund der einzigartigen Natur wirkt die Umgebung wie ein mystischer Energieplatz. Die beiden Rundwege „Doser Wasserfall” und „Doser Kopfkapelle” laden zum Erkunden ein.
Quelle: AHM Kommunikation