Mit App und Akustik: Festung Königstein startet innovatives Blindenleitsystem
Rollstuhlgerechte Wege und Ausstellungen, Tastmodelle, Audioguides in Leichter Sprache sowie Videoguides in Deutscher Gebärdensprache: Die Festung Königstein zählt zu den Vorreitern unter den Kultureinrichtungen in Sachsen, wenn es um Barrierefreiheit geht. Nun ergänzt das Museum einen weiteren Baustein. Mithilfe des digitalen Leitsystems „blindFind“ können sich blinde und sehbeeinträchtigte Besucher in Zukunft selbstständig auf dem Museumsgelände orientieren. Im Rahmen der regionalen „Woche der Inklusion“, die am 1. Mai 2026 beginnt, wird das neue Leitsystem in Betrieb genommen. Außerdem sind in der Aktionswoche Führungen in vereinfachter Sprache geplant.
„Mit dem neuen Leitsystem erleben blinde und sehbehinderte Gäste diesen historischen Ort mit mehr Sicherheit und Leichtigkeit”, sagt Julia Gesell, die Inklusionsbeauftragte der Festung Königstein. „Es ist für uns ein weiterer Schritt zu echter Teilhabe an Geschichte und Kultur.“
Mit „blindFind“ die Festung erkunden
Das System „blindFind“ des Dresdner Start-ups visorApps ist innovativ, da es auch dort funktioniert, wo GPS-Systeme zu ungenau sind. Auf dem Festungsareal befinden sich an relevanten Infopunkten kleine Boxen. Sie geben bei Bedarf per Bluetooth ein akustisches Signal ab. Mithilfe der kostenfreien Smartphone-App „blindFind“ können Besucher Informationen zum jeweiligen Standort abrufen, beispielsweise Eintrittspreise im Kassenbereich, Sicherheitshinweise auf dem Festungsgelände, Richtungsweiser zu Toiletten oder Informationen zu den Gebäuden und Ausstellungen der Festung Königstein. Insgesamt 17 solcher Punkte befinden sich auf dem Gelände der Museumsanlage.
Auch die bestehenden Audioguide-Stationen der Bergfestung wurden in das System integriert. Diese ermöglichen es, Informationen zu vertiefen – wahlweise auch in Leichter Sprache oder in einer Version für Kinder.
Sensory Bags: Museumsbesuch ganz entspannt
Die Einführung von „blindFind” zeigt, wie konsequent die Festung Königstein an mehr Teilhabe für verschiedene Zielgruppen arbeitet. „Dabei geht es nicht nur um Orientierung, sondern insgesamt um ein Museumserlebnis, das möglichst allen Menschen offensteht”, sagt Julia Gesell. Ein Tastmodell, an dem Blinde die Grundform, Bauwerke und Wege der Bergfestung mit den Händen ertasten können, sowie weitere Erleichterungen wie ein geräumiger Aufzug bis aufs Plateau, barrierefreie Panoramawege und mobile Rampen, rollstuhlgerechte Ausstellungen und vieles mehr sind auf der Festung längst selbstverständlich.
Ein weiterer Beitrag zur Barrierefreiheit sind die im vergangenen Jahr eingeführten Sensory Bags. Das sind mit Hilfsmitteln ausgestattete Rucksäcke für Besucher, die auf Hilfe bei Reizüberflutung angewiesen sind, etwa Menschen mit ADHS oder Autismus. In den Rucksäcken befinden sich geräuschunterdrückende Kopfhörer, eine Gewichtsdecke, ein Fidget Spinner, ein Akupressurring, ein Lavendelsäckchen sowie verschiedene sensorische Hilfsmittel. Die Sinnestaschen werden kostenfrei verliehen – auf Anmeldung oder bei akutem Bedarf.
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Woche der Inklusion: Entdeckertouren mit allen Sinnen
Anlässlich der Woche der Inklusion, die vom 1. bis 10. Mai 2026 im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen begangen wird, nimmt Julia Gesell Interessierte mit auf einen Festungsrundgang unter dem Motto „Eine Festung zum Anfassen – Entdeckungstour mit allen Sinnen“. Fühlen, Riechen und Hören stehen im Mittelpunkt der 45-minütigen Führungen, die in vereinfachter Sprache gehalten werden. Sie sind am 2. und 3. Mai jeweils um 13:30 Uhr und 15 Uhr sowie am 6. Mai 2026 um 13:30 Uhr erlebbar. Anmelden können sich Interessierte unter www.festung-koenigstein.de/tickets. Die Teilnahme ist im Festungseintritt inbegriffen.
Informationen rund um die Barrierefreiheit auf der Festung Königstein sind auf der Website www.festung-koenigstein.de/handicap.html zu finden.
Quelle: Festung Königstein gGmbH c/o THIEL Public Relations e. K.