Frauenskulptur auf dem Dach des Meraner Kurhauses. - Meran: lebendiges Selbstbewusstsein zwischen Tradition und Erneuerung
Südtirol, Italien

Meran: lebendiges Selbstbewusstsein zwischen Tradition und Erneuerung

Nicht mehr lang, dann ist er vollkommen da: der Meraner Sommer. Falsche Bescheidenheit ist ihm fremd. Stolz präsentiert er, was er zu bieten hat: auf den gepflegten Promenaden, auf dem üppig begrünten Tappeinerweg, jener im 19. Jahrhundert angelegten Höhenpromenade mit ausgesuchter Pflanzenvielfalt, in den Gärten und Parks, an den Ufern der Passer, entlang der Alleen und im Schatten stattlicher Mammutbäume.

Ganzjährig aktiv sind jedoch die Frauen der Stadt. In Italiens Städten findet sich nur selten eine solche Dichte an Frauen in Führungsrollen, die in ihrer Vielfalt ebenso atemberaubend sind wie die Pflanzen der wilden Gila. Da wären die Bürgermeisterin, die Direktorin der Kurverwaltung, der eine Präsidentin vorsteht, die Direktorin der Therme Meran, die gerade pensionierte und die neue Direktorin des einzigen Frauenmuseums Italiens, die Direktorin der Meranarena, die Direktorin der Gärten von Schloss Trauttmansdorff, die Präsidentin der Kurhausverwaltung, die Präsidentin des legendären Ostwestclubs, die Leiterin der Kooperative Independent Living für selbstbestimmtes Leben, die Direktorin der Sozialgenossenschaft Albatros, die Direktorin des Kunsthauses Meran sowie jene Frauen, die ihre Geschäfte in den Meraner Lauben leiten, jene, die einen kleinen kulinarischen Kiosk am Pulverturm betreiben, und jene, die als Gärtnerinnen der Stadtgärtnerei für die blühende Natur sorgen.

Über die Jahrhunderte

Auch wenn dies eine neue Entwicklung sein mag, hat die Stadt den Frauen schon länger gefallen. Bereits im 19. und 20. Jahrhundert war die Stadt ein Magnet für Frauen aus der ganzen Welt. So reiste die Pianistin und Komponistin Clara Schumann 1886 mit ihren Töchtern nach Meran. Im Jahr 1903 sang die Wiener Hofopernsängerin Emma von Teleky im Rahmen eines Benefizkonzerts für Bedürftige. Vor allem vor Beginn des Ersten Weltkriegs traten zahlreiche international gefeierte Opernsängerinnen im Kurhaus auf, darunter die Italienerin Gemma Bellincioni (1911), die US-Amerikanerinnen Fay Maude (1912) und Marcella Craft (1913) sowie die Münchner Kammersängerin Hermine Bosetti (1912). Auf dem Meraner Friedhof sind die Komponistin Natal’ja Pravosudovic (1899–1988) und Maria Usova (1886–1901), eine der ersten praktizierenden Ärztinnen, bestattet.

Meraner Frauen und Musik.

Und so ist es kein Zufall, dass auf der Passerpromenade in diesem Jahr zwei neue Arbeiten des Projekts „Menschbilder” hinzugekommen sind. Das Projekt ehrt Persönlichkeiten des Meraner Lebens in künstlerischen Werken. Die neuen Arbeiten sind von Frauen gestaltet. Die US-Amerikanerin Marianne Vitale schuf das Werk „Ohne Titel“ zu Ehren von Aliza Mandel (1927–2007). Sie war eine in der Tschechoslowakei geborene Künstlerin, die bis 1939 in Meran aufwuchs. Ihr Leben war geprägt von Exil und ständigen Umzügen zwischen Europa, Israel und den Vereinigten Staaten. 1986 kehrte sie nach Meran zurück. Die Meraner Fotografin und Künstlerin Elisabeth Hölzl ließ sich bei ihrer Hommage an die Schriftstellerin Anita Pichler (1948–1997) von einer Textpassage der Autorin inspirieren.

„Frauen im Licht 1900–2026” heißt hingegen die Sonderausstellung im Palais Mamming Museum, die uns den ganzen Sommer über begleiten wird. Vom 18. Juni bis zum 18. Oktober steht die Darstellung von Frauen in der Kunst und deren Wandel im Laufe der Zeit im Vordergrund. Der zeitliche Bogen von der Jahrhundertwende über die Zwischenkriegszeit bis zur Moderne und Gegenwart zeigt, wie Frauen gesehen wurden – und wie sie beginnen, sich selbst darzustellen.

Anlässlich des in ganz Italien gefeierten Feiertags Ferragosto erklingt im Rahmen der Midsummer Nights die Stimme Italiens „bekanntestem Mädchen aus der Vorstadt“, der Sängerin und Moderatorin Anna Tatangelo. Rauchig, präzise, stimmig und ganz ohne Scheu vor alten Klassikern wie „Essere una donna” von den Mogols. Am 21. August beendet die Veranstaltungsreihe ihre diesjährige Saison mit einer Hommage an die „Königin des weißen Soul“, Adele. Mit der Adele Experience bietet Diletta eine mitreißende Show mit reichlich Raum für die beliebtesten Stücke von Adele, von ihren ersten bis zu ihren aktuellen Hits.

CITY.VINOTHEK

Hier erwarten Sie Führungen mit Sekt-, Wein- und Grappaverkostungen in einem historischen Gebäude oder mit begleitender Stadttour.
Es gibt eine Auswahl feinster Weine und Sekte aus dem Meraner Anbaugebiet: 35 Weine aus 16 Traubensorten auf 200 m² Vinothek und ein Sektmittelpunkt.
Lauben 218, www.kellereimeran.it

Weingut Schloss Rametz – Masterclass Nature

Die geführte Genusstour beginnt am Weinberg, steigt hinab in den historischen Steinkeller und bietet eine Verkostung der hauseigenen Weine.
www.meran.eu / www.rametz.com
Sissitours: www.sissitours.it

Die Liebhaberinnen und Liebhaber italienischer Küche wussten es schon immer: 2025 kam die wohlverdiente Auszeichnung, als die italienische Küche und damit alle Spezialitäten Italiens in das immaterielle Kulturerbe der Menschheit der UNESCO aufgenommen wurden. Damit würdigt die Auszeichnung die Tradition einer Esskultur, die seit Tausenden von Jahren nicht nur Familien zusammenhält. Und genau hier würde man den Männern unrecht tun, wenn ihnen nicht gleich viel Ehre dafür zuteil würde. In den Küchen der Restaurants der Stadt hingegen geben weiterhin mehr Männer als Frauen den Ton an. Laut einer Gallup-Studie aus dem Jahr 2018 ist dies in privaten Haushalten jedoch nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Ein Ungleichgewicht in der Küche herrscht in jedem der 120 untersuchten Länder, auch in Italien. Aber Italien ist das einzige Land, in dem das Geschlechterverhältnis ein anderes ist: Hier kochen Männer laut der Studie 0,4-mal häufiger als Frauen. Tatsächlich können viele Männer in Italien sehr gut kochen. So haben wohl beide Geschlechter das kulinarische Erbe Italiens bewahrt und weitergeführt. Auch in Meran.

Diese Vielfalt wird gelebt. Sie ist sogar im wahrsten Sinne des Wortes bewegend: Sissitours begleitet Interessierte spazierend oder radelnd zu kulinarischen Erlebnissen und Verkostungen in urigen Höfen, Landgasthäusern und kleinen Weingütern. Sei es als Jubiläumsausgabe der Genuss-Radtour, die mit dem E-Bike in und um Meran stattfindet und ca. sechs Stunden dauert, sei es als Kurs der Taste-Academy, der jeden Mittwoch in die Kunst der italienischen Küche einführt, sei es als Gourmet-Walk „Aperitif” für alle, die gerne ausschlafen und sich für die prickelnden Drinks und feinen Häppchen der Stadt interessieren, oder sei es als Genuss-Radtour, die in das angrenzende Passeiertal führt.

Quelle: Kurverwaltung Meran c/o bService GmbH