Landschaftspfleger auf vier Beinen zurück auf Sylt
Was für ein zauberhafter Anblick inmitten der Sylter Frühjahrsnatur. Auch in diesem Jahr sind die Wanderschäferin Uta Wree, ihr angestellter Schäfer Oliver Zigahn, die bestens ausgebildeten Hütehunde und 630 Fjordlandschafe wieder in den Naturschutzgebieten der Inselmitte und am Morsum Kliff unterwegs.
Die Einheit aus Mensch, Tier und Natur begeistert immer wieder aufs Neue. Die robusten Schafe und ihr Betreuerteam haben jedoch vor allem einen offiziellen Auftrag: Sie stehen als Landschaftspfleger auf Sylt schon seit Jahren unter Vertrag. „Auf der Geestheide im Osten und in der Inselmitte benötigt das vielfältige Ökosystem Heide Unterstützung, um gut zu gedeihen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet auf Sylt die Wanderschafherde“, erläutert Maike Belbe vom Landschaftszweckverband Sylt (LZV). Der Verband entwickelt, koordiniert, begleitet und finanziert auf der Insel diverse Projekte im Natur- und Küstenschutz.
Wie funktioniert die Arbeit der Fjordlandschafe?
Die Fjordlandschafe fressen in den Naturschutzgebieten pro Kopf täglich neun bis zwölf Kilo Sträucher, Büsche und Kräuter. Diese überschatten die Heide- und andere sensible Pflanzenarten, sodass diese auf lange Sicht absterben.
Sie pflegen die mageren Böden, sorgen für eine Verjüngung der Heidepflanzen, verhindern deren Verholzung und fördern eine gesunde Entwicklung im gesamten Ökosystem. „Die Schafe sorgen für Licht, verschaffen Bodenbrütern wie der Feldlerche freie Sicht und rücken sogar jungen Pflanzen der invasiven Rosa rugosa, der sogenannten Kartoffelrose, zu Leibe. Wir schaffen Strukturen wie Abbruchkanten für Schwalben, Eidechsen und bestimmte Insekten“, erklärt Uta Wree.
Einen weiteren Beitrag zur Biodiversität leisten die fleißigen Naturschützer und Landschaftspfleger quasi im Vorübergehen. Sie transportieren bis zu 2.000 verschiedene Lebewesen und Pflanzensamen in ihrer Wolle und schütteln sie auf den Wegen durch die Natur wieder ab. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Fjordlandschafe nicht dort koten, wo sie fressen. Denn die mageren Heideböden sollen auf keinen Fall gedüngt werden. Das geschieht in separaten Nacht- und Ruhepferchen, wo die Tiere wiederkäuen, ruhen und schlafen.
Was müssen Menschen (mit und ohne Hund) beachten, um die Wanderherde bei ihrer Arbeit nicht zu stören?
Spaziergänger mit und ohne Hund sollten immer Abstand zur Herde halten, um die Schafe nicht unnötig zu stressen. „Wir machen gerne Öffentlichkeitsarbeit. Aber nur, wenn alle versorgt sind und die Herde entspannt ist. Denn unser Primärauftrag geht vor“, sagt Uta Wree und bittet um Respekt und die nötige Distanz zu ihr und den Fjordlandschafen. Dies gilt auch, wenn Hunde ordnungsgemäß angeleint sind. Die Leinenpflicht gilt mit wenigen Ausnahmen inselweit. Aufgrund der Brutzeit zwischen Mitte März und Mitte Juli gilt Leinenpflicht auch auf der für freilaufende Hunde geduldeten Fläche nordwestlich des Flughafens. Zusätzlich gilt auch hier: Sind die Wanderschafe da, muss der Hund immer an der Leine geführt werden.
Und last but not least: Die Hinterlassenschaften des Hundes müssen unbedingt aufgesammelt und ordnungsgemäß entsorgt werden. Erstens sorgt Hundekot für einen unerwünschten Nährstoffeintrag in die mageren Böden der Dünen- und Heidegebiete. Zweitens kann Hundekot für Tiere und Menschen lebensbedrohlich sein. Durch unsachgemäßes Füttern mit Rohfleisch und mangelndes Entwurmen werden immer mehr Hunde mit Bandwürmern infiziert und scheiden die Eier mit dem Kot aus. Diese werden von grasenden Schafen aufgenommen und können deren innere Organe schwer schädigen.
Internationales Jahr der Weidelandschaften und der Hirtenvölker (IYRP)
„Als Tierärztin brauchen mich meine Schafe sonst eher selten. Weil sie zumeist kerngesund sind. Sie gehören hierher, in dieses Klima, in diese Landschaft. Sie sind seit der Bronzezeit perfekt an die Natur angepasst“, erläutert Uta Wree und weist damit auf ihre Ursprungsprofession hin.
Heute lebt sie mit weit über 1.000 Fjordlandschafen, die im Winter auf einem Hof bei Schleswig weiden. Im Sommer sind ihre Tiere in zwei Herden an der Schlei und auf Sylt unterwegs. Darüber hinaus engagiert sie sich für die Zukunft ihres immer seltener werdenden Berufsstandes. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und Hirtenvölker (IYRP) erklärt. Für mehr Nachhaltigkeit, Sichtbarkeit und weniger Stress für die Tiere wäre es ihr eine Herzensangelegenheit, ihre Herde auf dem natürlichen Fußweg von Schleswig nach Sylt zu geleiten.
Welche Route sie dabei genau im Sinn hat, welche Schafherden es auf den Deichen und Wiesen der Insel sonst noch gibt und weitere spannende Geschichten und Fakten zu den unterschiedlichen Aspekten der Sylter Schafwirtschaft erfahren Sie in der aktuellen Frühjahrsausgabe des Inselmagazins „Natürlich Sylt“. Das digitale SMG-Magazin ist kostenlos unter www.sylt.de/natuerlich-sylt abrufbar.
Gut zu wissen: Die Sylter Heide
Auf Sylt befindet sich nahezu die Hälfte der Heideflächen von Schleswig-Holstein. Während sich die Heide in den Dünengebieten der Insel auf dem mageren Sandboden wunderbar entwickelt, benötigen die Heideflächen auf den fruchtbareren Böden in der Inselmitte und auf dem Morsum Kliff Unterstützung. Die Heide ist ein einzigartiger Lebensraum, der einer großen Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten Platz bietet. Eine wahre Schatzkiste! Hier leben rekordverdächtige 2.500 verschiedene Tierarten sowie 150 Pflanzenarten. Etliche von ihnen sind vom Aussterben bedroht. Die Braderuper Heide ist die größte Heidefläche Sylts und steht seit 1979 unter Naturschutz. Sie wird von der Naturschutzgemeinschaft Sylt betreut (www.naturschutz-sylt.de).
Quelle: Sylt Marketing GmbH