Ausstellungsvorbereitung 900 Jahre Klosterort Ursberg - Internationaler Weltfrauentag 2026 in Bayerisch-Schwaben
Schwaben

Internationaler Weltfrauentag 2026 in Bayerisch-Schwaben

In Bayerisch-Schwaben haben Frauen Geschichte geschrieben – und diese ist bis heute allgegenwärtig. Museen, Ausstellungen, Führungen und Lauschtouren zu biografischen Orten halten ihr Vermächtnis lebendig – am Weltfrauentag ebenso wie an jedem anderen Tag, an dem wir diesen Wegbereiterinnen begegnen.

Es waren Frauen mit Mut, Talent und erstaunlicher Beharrlichkeit, die in Bayerisch-Schwaben ihre Zeit geprägt haben. Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Herrscherinnen. Sie öffneten Räume und verschoben Grenzen, denn Stillstand war für sie keine Option. Frauen, die sich gegen Unrecht stellten oder neue Wege gingen, ohne zu ahnen, dass man sie später als Pionierinnen bezeichnen würde. Anlässlich des Weltfrauentags rücken ihre Lebenswege in den Mittelpunkt.

Maria Holl: Die Unbeugsame von Nördlingen

Maria Holl (1549–1634) war eine Frau, die sich selbst durch unmenschlichen Druck nicht brechen ließ. Als angesehene Wirtin der „Goldenen Krone” in Nördlingen geriet sie 1593 in den Strudel der Hexenverfolgungen – eine beklemmende Zeit, in der irrer Aberglaube stärker war als Vernunft. Was folgte, war ein Martyrium: 62 Folterungen musste sie überstehen, doch sie widerrief nie und gestand nichts, sondern blieb standhaft gegen ein System, das Geständnisse erzwingen wollte.

Ihre Unbeugsamkeit machte sie zur Symbolfigur für Mut und Gerechtigkeit in einer Epoche, in der viele andere Frauen auf dem Scheiterhaufen endeten. Dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte und die Hintergründe dieses Wahns lassen sich heute auf einer Lauschtour rund um die Schauplätze der Nördlinger Hexenprozesse nacherleben. Die Audiotour endet am Maria-Holl-Brunnen, dessen Form und das verwendete Holz sollen an einen Scheiterhaufen erinnern.

Maria Theresia: Günzburgs prägende Regentin

Kaiserin Maria Theresia (1740–1780) war Herrscherin, Reformfigur, Machtmensch und Mutter von 16 Kindern – aber vor allem eine Frau, die wusste, was sie wollte. Als sie Günzburg im Jahr 1760 zur Hauptstadt der Markgrafschaft Burgau erhob, löste sie einen regelrechten Bauboom aus. Das Günzburger Schloss wurde zum Regierungssitz ausgebaut, neue Verwaltungsstrukturen entstanden und die Stadt erhielt ihr bis heute prägendes Gesicht – so sehr, dass die Region sie bis heute das „kleine Wien“ nennt.

An der wichtigen Postroute Wien–Paris ließ die Kaiserin eine Münzstätte errichten, in der bis 1805 der berühmte Maria-Theresien-Taler geprägt wurde – jene Silbermünze, die später zu einer globalen Handelswährung wurde. Ihre Reformen im Schulwesen, in der Verwaltung und im Justizsystem reichten bis in die entlegensten Winkel ihres Reiches und machten Günzburg zu einem wichtigen Knotenpunkt habsburgischer Politik.

Eine Lauschtour führt zu den Schauplätzen von Maria Theresias Wirken. Bei der spannenden Stadtführung „Frauen in Günzburg” erklärt Gästeführerin Antje Mühlenbein im Zeitraffer, wie Frauen hier seit fast 2000 Jahren Geschichte prägen – von der entschlossenen Herrscherin bis zur modernen Günzburgerin.

Kaiserin Elisabeth: Der Mythos Sisi in Aichach-Unterwittelsbach

Elisabeth, Herzogin in Bayern, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn (1837–1898), gehört zu den Frauenfiguren, die bis heute weltweit faszinieren. Sisi, die freiheitsliebende Kaiserin, die sich höfischen Zwängen entzog, die moderne Frau im Korsett der Monarchie, die Ikone zwischen Realität und Projektion.

Im Wasserschloss Aichach-Unterwittelsbach, das einst Sisis Vater, Herzog Max in Bayern, gehörte, lässt sich dieser Mythos aus nächster Nähe erleben. Die Dauerausstellung „Sisi – Leben, Tod & Mythos” zeigt, wie aus Elisabeth von Bayern eine weltbekannte Figur wurde. 2026 widmet sich eine große Sonderausstellung dem Thema „Verliebt, verlobt, verheiratet“ – am Beispiel von Elisabeth und Franz Joseph, aber auch im Kontext einer Ehe, die in adeligen Strukturen über Besitz, Namen und Fortbestand entschied. Auch hier macht eine Lauschtour Geschichte und Hintergründe lebendig.

Lina Kempter: Wegbereiterin weiblicher Kunst in Illertissen

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert gehörte Lina Kempter (eigentlich Caroline Kempter, 1856–1925) zu den Frauen, die sich mit Entschlossenheit und künstlerischem Selbstbewusstsein einen Platz in einer von Männern dominierten Kunstwelt erkämpften. In München, wo Frauen kaum Zugang zu Ausbildungen, Ausstellungen oder Aufträgen hatten, behauptete sie sich mit Talent, Disziplin und einem bemerkenswerten Gespür für Chancen.

Sie ließ sich an der Kunstgewerbeschule ausbilden, suchte sich private Lehrer, schloss sich dem Münchner Künstlerinnenverein an und nutzte dessen internationale Netzwerke. 1894 wagte sie sogar eine Studienreise nach Chile – ein Schritt, der für eine Frau ihrer Zeit regelrecht kühn wirkte. Nach ihrer Rückkehr wurde sie zu einer wichtigen Figur in der Ausbildung junger Künstlerinnen.

Ihr Wirken zeigt das Bild einer entschlossenen, weltoffenen Frau, die gesellschaftliche Grenzen nicht einfach hinnahm – und damit kommenden Generationen von Künstlerinnen den Weg ebnete. Im Museum Illertissen im Vöhlinschloss erinnert heute das Kempter Kabinett an ihr Leben und Werk.

Käthe-Kruse-Puppen-Museum in Donauwörth

Käthe Kruse: Puppen-Pionierin mit Weitblick in Donauwörth

Käthe Kruse (1883–1968) war eine Macherin. Aus Stoff, Sand und einer Kartoffel als Kopf entwickelte sie den Prototypen einer weichen, anschmiegsamen Puppe – den Gegenentwurf zu den starren Porzellanfiguren, mit denen Kinder bisher gespielt hatten. Käthe Kruses Puppen waren – und sind es bis heute – lebensecht, pädagogisch wertvoll und zum Liebhaben gedacht.

Mit diesem Anspruch schuf sie ein Lebenswerk, das sie mit Kreativität, handwerklicher Präzision und unternehmerischer Konsequenz vorantrieb – bis hin zu einem vielbeachteten Prozess, in dem sie sich erfolgreich gegen Nachahmungen ihrer Modelle wehrte. In Donauwörth, wohin sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Produktion verlegte, lässt sich ihr Werk heute unmittelbar nachempfinden.

Im Käthe-Kruse-Puppen-Museum im ehemaligen Kapuzinerkloster sind über 150 Puppen, Puppenstubenfiguren und seltene Schaufensterfiguren zu bewundern. Historische Fotos, biografische Materialien und Originalinterviews geben Einblick in ihr Denken und Arbeiten. Bei einer exklusiven „Zeit zu zweit“-Führung können Sie mit Ihrer Oma, Ihrer Tochter oder Ihrer besten Freundin erleben, wie die klassischen Sammlerpuppen in liebevoller Handarbeit gefertigt werden.

Bayerische Landesausstellung 2027 in Ursberg und Dillingen: Schwesterherz! Frauen retten Bayern

Vom 4. Mai bis zum 7. November 2027 wird die Region Bayerisch-Schwaben Schauplatz einer besonderen bayerischen Landesausstellung sein. Unter dem Motto „Schwesterherz! Frauen retten Bayern” widmet sich den oft übersehenen Heldinnen des bayerischen Gesundheits- und Sozialwesens – Frauen, die in den letzten zweihundert Jahren in Krisenzeiten Verantwortung übernommen und die Dinge zum Besseren gewendet haben.

Unter ihnen waren Ordensfrauen und Pflegekräfte, aber auch Arbeiterinnen, die sich im 19. Jahrhundert in den Fabrikhallen Gehör verschafften. Es waren Frauen, die um 1900 buchstäblich aus dem Korsett ihrer Zeit ausbrachen, sowie die Bahnhofsmission, die Schutz bot, wo er dringend gebraucht wurde. Auch die Ursberger Schwestern sind Teil dieser Geschichte. Ihre Haltung und Fürsorge im Umgang mit Menschen mit Behinderungen sind bis heute beispielgebend.

Über Bayerisch-Schwaben

Bayern plus Schwaben ergibt Bayerisch-Schwaben. Hier „schwätzt“ Bayern schwäbisch und Schwaben bayerisch. Die vielseitige Region erstreckt sich im Westen Bayerns vom Nördlinger Ries über das Schwäbische Donautal, das LEGOLAND® und die UNESCO-Welterbestadt Augsburg bis ins Wittelsbacher Land.

Radwege durch idyllische Flusslandschaften sowie Wander- und Themenwege durch die vielfältige Natur machen Bayerisch-Schwaben zu einem beliebten Ziel für Aktivurlauber jeden Alters. Die Städte und Orte präsentieren sich zwischen prächtig-glanzvoll und verträumt-gemütlich.
Kulturfans und Familien genießen das besondere Flair der historischen Stadtkulissen entlang der Romantischen Straße sowie die zahlreichen Burgen, Schlösser und Klöster.

Ob bei einem „Stadthupferl“-Ausflug oder mit der „Bayerisch-Schwaben-Lauschtour“-App: Urlauber begeben sich auf die Spuren von Römern, Fuggern, Wittelsbachern und Co. oder erkunden die Museumswelten von Ballons, Bienen, Käthe-Kruse-Puppen oder bedeutender Industrie- und Alltagskultur. Empfehlenswert ist immer die herzhafte und regionale Küche mit ihren besonderen Spezialitäten.
www.bayerisch-schwaben.de

Quelle: Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben e.V. c/o FEUER & FLAMME. DIE AGENTUR