Frischer Wind trifft starke Wurzeln im Jugendherbergswerk Bayern
Anlässlich des Diversity-Tages 2026 setzt sich der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH Bayern) mit der Vielfaltsdimension „Alter” auseinander. Der Verband verfolgt den in der Satzung verankerten Anspruch, Vielfalt aktiv zu leben. Seit 2023 wird das Thema Diversität strategisch weiterentwickelt und systematisch in der Organisation verankert. Im selben Jahr hat das DJH Bayern die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet.
Im Rahmen interner Befragungen junger Kolleginnen und Kollegen und in Austauschformaten zwischen den Generationen wurde deutlich, dass viele Mitarbeitende sich angesichts der demografischen Entwicklung und des „Kippens“ der Alterspyramide, von dem in den kommenden Jahren auch das Jugendherbergswerk betroffen sein wird, mit der Zusammenarbeit zwischen den Generationen beschäftigen. Die Rückmeldungen zeigen auch, welches Potenzial altersgemischte Teams bieten. Während erfahrene Mitarbeitende Stabilität, Fachwissen und Prozesskenntnisse einbringen, sorgen jüngere Kollegen häufig für digitale Impulse, neue Denkweisen und innovative Lösungsansätze. Viele Mitarbeitende beschreiben den gegenseitigen Wissensaustausch als besonders wertvoll und im Sinne eines nahtlosen Wissenstransfers als unabdingbar.
Dabei zeigen sich jedoch auch Herausforderungen. Junge Kollegen wünschen sich mehr Mitsprache, Verantwortungsübernahme, schnellere Entscheidungswege und eine größere Offenheit für neue Ideen und digitale Prozesse.
„Als Unternehmen, das in den Bereichen Jugendhilfe, Bildung und Berufsorientierung agiert, ist es für uns entscheidend, auch intern verschiedene Altersperspektiven zusammenzubringen“, erklärt Daniel Sautter, Vorstand im DJH Bayern. „Nur wenn wir die Sichtweisen und Kompetenzen junger Mitarbeitender klug und konsequent einfordern und tatsächlich einbinden und gleichzeitig erfahrene Kolleg*innen ihr Wissen weitergeben können, können wir unser Geschäftsmodell zukunftsfähig weiterentwickeln.“
Junge Kollegen sollen in alle Prozesse eingebunden werden
Gleichzeitig wurden auch Hindernisse benannt. Teilweise erleben jüngere Beschäftigte, dass Veränderungsprozesse zu langsam voranschreiten oder neue Ideen nicht konsequent umgesetzt werden. So werden Impulse jüngerer Kollegen zwar zunächst gelobt, verlaufen dann aber manchmal durch fehlenden Veränderungsdrang im Sand. Einzelne Rückmeldungen weisen zudem auf stereotype Zuschreibungen zwischen den Generationen hin.
Das DJH Bayern sieht diese Hinweise als wichtigen Entwicklungsauftrag. Als direkte Reaktion auf diese Ergebnisse wurde eine „U30-Gruppe“ für Mitarbeitende unter 30 Jahren ins Leben gerufen. Sie bringt gezielt Themen, Ideen und Perspektiven jüngerer Mitarbeitender in die Verbandsentwicklung ein, verfügt über ein eigenes Budget, vernetzt sich bundesweit und trägt so ihre Kompetenzen in alle Prozesse des Landesverbands ein. Zudem werden junge Mitarbeitende entsprechend ihres Arbeitsbereichs in Projekte, Entscheidungsprozesse und strategische Diskussionen eingebunden. Um den demografischen Veränderungen bereits jetzt entgegenwirken zu können, werden ihnen Entscheidungskompetenzen und Projektverantwortung zugewiesen, sodass das Know-how im Unternehmen bleibt.
Im Arbeitsalltag zeigen sich bereits konkrete Veränderungen: Prozesse werden digitalisiert, papierbasierte Abläufe verschlankt und neue Kommunikationswege etabliert. Gleichzeitig bleibt der generationenübergreifende Wissenstransfer ein zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit und eine Herausforderung angesichts der strukturellen Umbrüche im Verband.
Für das DJH Bayern ist klar: Vielfalt endet nicht bei Herkunft oder Geschlecht. Auch unterschiedliche Generationen, Erfahrungen und Lebensrealitäten gehören zu einer modernen und zukunftsfähigen Arbeitswelt. Sautter sagt: „Wir fragen uns immer wieder: Wie entsteht Zukunft? Auch dort, wo jahrzehntelange Erfahrung auf neue Ideen trifft. Wo Menschen unterschiedliche Blickwinkel mitbringen. Der Diversity-Tag 2026 ist deshalb für uns ein klares Bekenntnis zu einer offenen, lernenden und vielfältigen Organisation. Auch beim Alter gilt: Divers zusammengesetzte Teams sind nachweislich innovativer, leistungsfähiger und damit auch persönlichkeitsfördernder.“
Der Deutsche Diversitäts-Tag ist ein bundesweiter Aktionstag, der in diesem Jahr zum 14. Mal stattfindet. Organisationen, die die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet haben, sind an diesem Tag dazu aufgerufen, sich für Vielfalt einzusetzen, auf Diskriminierung, Menschenfeindlichkeit und Hass aufmerksam zu machen und das gesellschaftliche Bewusstsein für die unterschiedlichen Dimensionen der Vielfalt zu stärken, darunter Geschlecht, Religion, sexuelle Orientierung, körperliche Verfassung, soziale Herkunft und vieles mehr. Schwerpunktthema 2025 sind die unterschiedlichsten Facetten der Herkunft.
Über den Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH)
Der Landesverband Bayern im DJH ist als gemeinnütziger Verein Betreiber und Partner von derzeit 46 Jugendherbergen (34 Häuser in Eigenregie, 12 Häuser durch Partner, z. B. Kommunen oder Verbände betrieben) und verfolgt unmittelbar gemeinwohlorientierte Aufgaben. Seit der Gründung des DJH steht ein wesentlicher Gedanke im Vordergrund: Junge Menschen sollen unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem sozio-ökonomischen Status die Welt entdecken, Gemeinschaft erleben und ihren Horizont erweitern.
Die Jugendherbergen sind ein vielseitiger Lern- und Erlebnisort mit abwechslungsreichen und lebensweltorientierten Programmangeboten für Schulklassen, Gruppen und Familien in den Bereichen Soziales Lernen, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Kultur und Sport. Im Jugendherbergswerk sind ca. 2,4 Millionen Menschen organisiert.