Etwa zwei bis drei Wochen dauert – je nach Wetterlage – die Ernte im September. - Erntedank im Weinberg
Baden-Württemberg, Deutschland

Erntedank im Weinberg

Bei der Lese helfen, Gemeinschaft und badische Gastfreundschaft erleben. Im Spätsommer lädt das Öko-Start-up Makalié junge Leute aus aller Welt ins Markgräflerland ein, um dort mitzuarbeiten.

„Ich mag das Meditative an der Arbeit hier“, sagt die junge Israelin Mika, während sie mit der Rebschere eine Spätburgunder-Traube abschneidet. Sie schnuppert daran, entfernt zwei, drei Beeren und lässt die Traube vorsichtig in einen großen Korb fallen. Schnapp. Schnapp. Noch eine. Mit Danny, der auf der anderen Seite des Rebgangs steht, plaudert sie kurz. Er hat heute seinen allerersten Tag und braucht noch ein bisschen Unterstützung. Die beiden tauschen sich aus und lachen.

Mittags wird im Weinberg an langen Tischen getafelt

Karoline Linka und Max Frölich vom Wein-Start-up Makalié ernten gemeinsam mit jungen Leuten aus aller Welt in Handarbeit die eigenen Trauben. Die Lagen hier im Markgräflerland südlich von Freiburg sind so steil, dass Maschinen nicht zum Einsatz kommen können. Die Helfer wohnen in einer Ferienwohnung und lernen hier nicht nur die Weinlese, sondern auch die badische Küche kennen. Sie erhalten keinen Lohn, aber Kost und Logis sind frei. Mittags essen alle etwa gemeinsam zwischen den Weinreben an einer langen Tafel – zum Beispiel oberhalb vom „Paradis“ im Ölberg. So nennt das Winzerpaar seine Lieblingslage.

„Das hier ist für uns so etwas wie ein Paradiesgarten“, erzählt Max. „Hier gedeiht neben Wein auch Obst, und wir lieben diesen Ort einfach.“ Seit fünf Jahren baut er gemeinsam mit seiner Frau Karoline Weine an – und das möglichst naturbelassen. Das heißt, sie greifen nur wenig in die natürlichen Prozesse ein, betreiben keine Bodenbearbeitung und arbeiten biodynamisch. Deshalb dürfen zwischen den Rebreihen auch Blumen und Kräuter wachsen. Es kommen auch keine chemischen Pflanzenschutzmittel oder Dünger zum Einsatz. Die puristischen Lagenweine reifen teilweise ein Jahr bis 18 Monate und werden anschließend unfiltriert in die Flasche abgefüllt. Probieren kann man sie in einigen Restaurants der Region. Der Großteil der Produktion landet jedoch im Export. Die Ernte im September dauert etwa zwei bis drei Wochen – je nach Wetterlage. Dabei helfen Freunde und Praktikant:innen, aber Max und Karoline finden auch Freiwillige über die Plattform WWOOF. Diese vermittelt Helfer an landwirtschaftliche Ökobetriebe.

So haben neben zwei Israelinnen auch eine Japanerin und eine Amerikanerin den Weg ins beschauliche Rheintal gefunden. Karoline und Max freuen sich darüber. Sie sagen: „Wir leben hier auf dem Land, in der Natur, und haben gar nicht die Zeit zu reisen. Und während der Ernte kommt die Welt quasi zu uns. Das genießen wir.“

Im Öko-Start-up Makalié im Markgräflerland darf mitgeholfen werden.

Die Stille kann allerdings auch eine Herausforderung sein

Ein Fest für alle Sinne ist es hier draußen: Die Sonne wärmt noch, der Blick reicht über die Weinreben hinweg bis ins Rheintal und zu den Vogesen in Frankreich. Der würzige Duft von Erntedank und Spätsommer liegt in der Luft. Später gibt es Kuchen und eine Weinverkostung. Das klingt nach einem Schlaraffenland. „Die Arbeit ist auch fordernd“, erzählt Karoline. „Durch die Mittagshitze, die Länge der Tage und die Stille hier draußen ist das für manche auch eine Grenzerfahrung.“ Trauben im Steilhang zu ernten bedeutet auch, sich lange zu konzentrieren und den Hang mehrmals hinauf- und hinabzusteigen. Für Karoline und Max kommt eine gewisse Anspannung hinzu, denn die Trauben müssen nun in kurzer Zeit zum Keltern gebracht werden. Unterm Strich sind die meisten Freiwilligen aber begeistert – von dem Erlebnis, der Gemeinschaft und der guten Verpflegung. Die Japanerin Yukari erzählt, dass sie gerne Trauben isst und hier viel über die Weinkultur lernen kann. Zoe aus den USA ist auch zum Deutschlernen hier. Und Danny aus Osnabrück möchte sich nach Jahren auf See beruflich noch einmal umorientieren. „Ich habe heute ganz schön viel Neues gelernt“, sagt er abends erschöpft, aber zufrieden.

Das Winzerehepaar tut viel dafür, dass es allen gut geht. „Wir möchten etwas zurückgeben“, sagen die beiden. Sie sorgen für selbst gebackenen Rührkuchen am Nachmittag und stoßen nach Feierabend mit den Freiwilligen bei einem Gläschen Wein vor Ort auf den vollbrachten Arbeitstag an. Und sie haben eine Helferin, die kocht, während die anderen Trauben lesen. Deshalb finden sich am Abend alle im großen Wohnzimmer der Winzerfamilie ein. Töchterchen Luisa turnt noch munter auf dem Schoß der Mutter. Es herrscht ein fröhliches Stimmengewirr. Karoline und Max lieben es, die Erntezeit zu zelebrieren. Heute gibt es zum Beispiel selbst gemachte Bio-Kässpätzle mit Pfifferlingen. Anschließend kommt ein Ofenschlupfer mit Vanillesoße auf den Tisch. Wer möchte, kann dazu auch ein Glas eigenen Spätburgunder trinken.

Weitere Informationen

Mehr Infos zu Makalié gibt es hier: www.makalie.com. Zur Region gibt es Informationen unter www.schwarzwald-tourismus.info. Auf der Plattform wwoof.de findet man außerdem viele Ökohöfe im Schwarzwald und in Baden-Württemberg, die Helferinnen suchen. „Ehrensache Natur“ heißt ein Freiwilligenprogramm der Nationalen Naturlandschaften und des Verbands Deutscher Naturparke, an dem auch der Naturpark Südschwarzwald beteiligt ist. Dort gibt es regelmäßig die Möglichkeit, für einen Tag mitanzupacken.

Aktionstage, bei denen Habitatspflege für Auerhühner betrieben wird, veranstaltet der Verein Auerhuhn Schwarzwald (www.auerhuhn-schwarzwald.de).

Quelle: Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW)