Blick in das Bayerische Schulmuseum in Ichenhausen. - Eintreten, Staunen, Entdecken: Ein Tag im Museum in Bayerisch-Schwaben
Schwaben

Eintreten, Staunen, Entdecken: Ein Tag im Museum in Bayerisch-Schwaben

Museen sind Orte voller Geschichten. Manche erzählen von großen historischen Ereignissen, andere von kleinen Alltagswundern. Wieder andere erinnern uns daran, wie spannend die Welt durch Kinderaugen wirkt. Verstaubte Vitrinen? Fehlanzeige! Wer in den Museen Bayerisch-Schwabens auf Entdeckungstour geht, trifft auf liebevoll kuratierte Häuser, in denen Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Hier werden Handwerk und Alltagstraditionen lebendig und der Forschergeist beflügelt – bei kleinen wie großen Besuchern.

Die Kiste: Retroreise nach Lummerland

Urmel aus dem Eis, der schlaue Kater Mikesch und der bayerisch-schwäbelnde Kasperl waren die Helden einer ganzen Generation – damals, als das Fernsehen noch analog war und Kinder an Samstagnachmittagen Sofakissenburgen bauten. In der Kiste, dem Museum der Augsburger Puppenkiste, erlebt der Kinderzimmerkult der 70er- und 80er-Jahre ein charmantes Revival. In den denkmalgeschützten Räumlichkeiten des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals in Augsburg werden mehr als 5000 Marionetten und Requisiten bewahrt und liebevoll in Szene gesetzt.

Wer den Lummerland-Ohrwurm „Eine Insel mit zwei Bergen” noch mitsummen kann, wird diese Nostalgiereise besonders genießen. Gemeinsam mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer geht es zurück auf ihre kleine Insel – ganz retro in der Originalkulisse, umgeben von einem „Meer” aus Plastikfolie.

Fugger und Welser Erlebnismuseum: Menschen, Mächte und Moneten

Warum entwickelte sich Augsburg zu Beginn der Renaissance zu einer der bedeutendsten europäischen Handels- und Wirtschaftsmetropolen? Welche Geschäfte machten die Fugger und Welser zu Global Playern? Und auf wessen Kosten bauten die Augsburger Kaufleute ihren Reichtum auf? Das Fugger und Welser Erlebnismuseum im historischen Wieselhaus erzählt die Geschichte dieser Blütezeit auf spannende, interaktive und sorgfältig kuratierte Weise. Im Festsaal erwacht eine Gemäldegalerie von Patrizierinnen und Patriziern auf magische Weise zum Leben.

In der „Goldenen Schreibstube” werden die Besucher Zeugen, wie Jakob Fugger der Reiche und Bartholomäus V. Welser angeregt über ihre Geschäfte plaudern. Zum besonderen Storytelling des Museums gehört ein kritischer Blick auf Geschichte und Gegenwart: Themen wie Kolonialisierung, Rassismus und Kapitalismus werden aufgegriffen und in einen neuen Zusammenhang gestellt. So entsteht für kleine und große Besucher ein geschärfter Blick auf unsere Welt.

RiesKraterMuseum Nördlingen: Ein Fenster ins Universum

Vor rund 15 Millionen Jahren raste ein gigantischer Asteroid mit 70.000 Kilometern pro Stunde Richtung Erde. Er hinterließ einen 25 Kilometer großen Krater – das heutige Nördlinger Ries. Im interaktiven RiesKraterMuseum, das sich in einem restaurierten Holzhofstadel aus dem Jahr 1503 befindet, begeben sich Besucherinnen und Besucher auf eine Reise in diese kosmische Vergangenheit. Hier liegen Impaktgesteine, die durch die Wucht des Einschlags geformt wurden, neben Meteoriten aus aller Welt.

Sogar ein Stück echtes Mondgestein ist ausgestellt. Modelle und multimediale Animationen veranschaulichen die gewaltige Energie des Elementarereignisses, während präzise Mikroskope den Blick auf winzige Strukturen im Gestein eröffnen. Vom erdgeschichtlichen Ursprung des Rieskraters schlägt das Museum den Bogen zur Gegenwart: Wie erforschen Wissenschaftler:innen heute Asteroiden? Welche Bedrohung geht von künftigen Einschlägen aus? Und welche Chancen liegen in der internationalen Zusammenarbeit zur Abwehr solcher Gefahren? So wird der Besuch zu einer geologischen Zeitreise und zu einer Einladung, über die Verletzlichkeit unseres Planeten und die Verantwortung der Menschheit nachzudenken.

Uhrenmuseum im Wittelsbacher Schloss: Eine Zeitreise in Friedberg

Einst war das kleine Friedberg vor den Toren Augsburgs ein florierendes Zentrum der Uhrmacherzunft. Dank handwerklicher Präzision, kunstvoller Verzierungen und Innovationsgeist wurden die Friedberger Uhren bis nach Paris, Warschau und Konstantinopel zu begehrten Statussymbolen. Die Uhrenabteilung des Wittelsbacher Schlosses erzählt die außergewöhnliche Geschichte der einstigen Uhrmacherstadt. Der Rundgang führt durch fünf Säle voller Zeitmesser: von wertvollen Telleruhren und Kutschenuhren bis hin zu Uhren, die in Möbelstücke eingebaut wurden, sowie einer Nachtlichtprojektionsuhr aus dem 17. Jahrhundert, die ihr Zifferblatt bereits wie ein Projektor an die Wand warf.

An Mitmachstationen können junge Besucher ihr Zeitgefühl mit Sanduhren testen oder die Funktionsweise von Zahnrädern erforschen. Wer noch tiefer in die Geschichte des Uhrmacherwesens eintauchen möchte, begibt sich auf eine Lauschtour in die Klockergasse. Hier, inmitten der Friedberger Altstadt, lassen sich noch vielerorts Spuren jener Blütezeit finden – jedes sechste Haus in Friedberg war damals ein Uhrmacherhaus.

Ballonmuseum Gersthofen: Dem Alltag entschweben

„Glück ab – gut Land!“ – Mit diesem Gruß heben Ballonfahrer seit jeher vom Boden ab. In Gersthofen hat seit 1901 der älteste aktive Luftsportverein der Welt seinen Sitz. Wer Glück hat, kann die bunten Riesen am Startplatz majestätisch in den Himmel steigen sehen. Gleich daneben erzählt das einzige Ballonmuseum Europas die spannende Geschichte der Ballonfahrt. Auf vier lichtdurchfluteten Ebenen entfaltet sich eine Reise vom ersten Aufstieg der Brüder Montgolfier bis zu den waghalsigen Höhenflügen des Pioniers Professor Auguste Piccard.

Dieser erreichte als erster Mensch in einer kugelförmigen Kapsel an einem Ballon die Stratosphäre – und kam nach einer Notlandung in den Ötztaler Alpen nur knapp mit heiler Haut davon. Für junge Entdeckerinnen und Entdecker wird das Ballonmuseum zum Abenteuerspielplatz mit Mitmachwänden, Hörstationen und Workshops, in denen die kleinen Tüftler ihre eigenen Flugobjekte bauen dürfen. Ein überdimensionales Modell erklärt die Physik hinter dem Schweben anschaulich.

Schulmuseum Ichenhausen: Back to School

Im Unteren Schloss in Ichenhausen wird im modernen Schulmuseum die Geschichte des Lehrens und Lernens von der Steinzeit bis heute praxisnah und lebendig vermittelt. Die Besucher schreiben mit Binsen und Tusche auf ägyptisches Papyrus oder drucken wie einst Johannes Gutenberg. Wer möchte, kann an einem Flaschenzug die eigenen Kräfte messen oder sich nach dem berühmten Modell von Adam Riese in den Grundrechenarten üben. Im Klassenzimmer aus dem Jahr 1920 quetschen sich die Besucher in die engen Schulbänke und malen kratzend mit dem Griffel auf ihre Schiefertafel. Die Buchstaben der sogenannten „deutschen Schrift“, der Sütterlinschrift, zu entziffern gelingt meist nur den älteren Semestern. Besonders Mutige melden sich zu einer historischen Unterrichtsstunde an und lernen das strenge „Fräulein Lehrerin“ hautnah kennen.

Herr Zopf’s Friseurmuseum: Haare machen Geschichte

Kämme, Scheren, Lockenwickler und jede Menge Anekdoten erwarten die Besucher. In Neu-Ulm lädt das weltweit größte Friseurmuseum zu einer Reise durch die haarige Vergangenheit. Gegründet vom Friseur, Hobbyhistoriker und leidenschaftlichen Sammler Heinz Zopf wuchs die einst private Kollektion von 6.000 auf heute unglaubliche 30.000 Exponate an. Der Rundgang führt durch Räume voller Kuriositäten und Kostbarkeiten: kunstvoll verzierte Barttassen, ein aus Haaren geknüpfter Teppich, ein Föhn aus dem Jahr 1920.

Im denkmalgeschützten Salon Harand aus Dresden wurden einst Filmgrößen wie Heinz Rühmann, Theo Lingen oder Trude Herr frisiert. Ein weiteres Ausstellungshighlight ist eine Haarschneidemaschine aus den 1950er Jahren, mit der Elvis Presley als junger Wehrdiener den berühmten GI-Cut verpasst bekam. Sie wurde von einem deutschen Friseurmeister gespendet, der während seines Wehrdienstes in amerikanischer Gefangenschaft zum beliebten Hairstylisten der amerikanischen Soldaten avancierte – darunter auch Elvis Presley.

Über Bayerisch-Schwaben

Bayern plus Schwaben macht Bayerisch-Schwaben. Hier „schwätzt“ Bayern schwäbisch und Schwaben bayerisch. Die vielseitige Region erstreckt sich im Westen Bayerns vom Nördlinger Ries über das Schwäbische Donautal, das LEGOLAND® und die UNESCO-Welterbestadt Augsburg bis ins Wittelsbacher Land.

Radwege durch idyllische Flusslandschaften sowie Wander- und Themenwege durch die vielfältige Natur machen Bayerisch-Schwaben zu einem beliebten Ziel für Aktivurlauber jeden Alters. Die Städte und Orte präsentieren sich zwischen prächtig-glanzvoll und verträumt-gemütlich.

Kulturfans und Familien genießen das besondere Flair der historischen Stadtkulissen entlang der Romantischen Straße sowie die zahlreichen Burgen, Schlösser und Klöster.

Ob bei einem „Stadthüpfer“-Ausflug oder mit der „Bayerisch-Schwaben-Lauschtour“-App: Urlauber begeben sich auf die Spuren von Römern, Fuggern, Wittelsbachern und Co. oder erkunden die Museumswelten von Ballons, Bienen, Käthe-Kruse-Puppen oder bedeutender Industrie- und Alltagskultur. Immer empfehlenswert ist die herzhafte regionale Küche mit ihren besonderen Spezialitäten.

Quelle: Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben e.V. c/o FEUER & FLAMME. DIE AGENTUR