Die Brenta im Trentino
Die Brenta-Dolomiten zählen zu den eindrucksvollsten Gebirgslandschaften des Trentino. Hier finden alpine Geschichte, spektakuläre Felsarchitektur und große Bergmomente auf besonders intensive Weise zusammen.
Manchmal, wenn Aldo Turri in Stimmung war, sang der Wirt der Zwölf-Apostel-Hütte (Rifugio XII Apostoli) im Süden der Brenta am Abend spontan La Montanara. Das Lied wurde 1927 von Toni Ortelli für den Bergsteigerchor des Trentiner Alpenvereins, der Sezione Operaia Società Alpinisti Tridentini, komponiert. Wenn der Bergführer all seine Ehrfurcht und Leidenschaft für die Brenta-Dolomiten in seine Stimme legte, konnte man als Zuhörer die senkrechten Wände und steilen Felstürme vor dem inneren Auge entstehen lassen und die eigenen Erlebnisse auf den Eisenleitern und den schmalen Felsbändern Revue passieren lassen.
Seine voller Zärtlichkeit vorgetragene Hymne war gleichzeitig eine Hommage an Bruno Detassis, der das benachbarte Rifugio Brentei als legendärer Trentiner Alpinist fast 60 Jahre lang leitete. Bereits im Jahr 1935 eröffnete Detassis die „Via delle Guide“, eine 800 Meter hohe Direttissima durch die senkrechte Nordostwand des Crozzon di Brenta (3 135 m), der dritthöchste Gipfel der Brentagruppe. Noch heute gilt die Route als einer der großen Dolomitenklassiker.
Bruno Detassis starb 2008 im Alter von 97 Jahren in Madonna di Campiglio. Im vergangenen Jahr hat Aldo Turri den Stab an seinen Kollegen Alessandro Beltrami weitergegeben, der zuvor Direktor der Bergführerschule von Madonna di Campiglio war. Der besondere Spirit der Brenta lebt aber weiter.
Steile Felsnadeln, hohe Wände
Dies liegt auch daran, dass diesem westlichsten Teil der Dolomiten eine Sonderstellung zukommt: Geologisch besteht die Brenta aus dem charakteristischen Dolomitgestein, doch räumlich ist sie durch das Etschtal und das Val di Non vom Rest getrennt. Sie ist ein eigener Gebirgsstock mit elf Dreitausendern, der sich über eine Länge von etwa 40 Kilometern in Nord-Süd-Richtung erstreckt und wie ein Monolith den Nordwesten des Trentino dominiert. Steile Felsnadeln und -türme, hohe Wände und schroffe Scharten prägen das Bild der Brenta. Sie ist besonders für ihre historischen Klettersteige berühmt – allen voran die Via delle Bocchette. Seit den 1930er-Jahren verbindet sie die natürlichen Felsbänder mit Leitern und Drahtseilen und ermöglicht so eine spektakuläre Durchquerung des Hauptkamms. Wer die viertägige Tour (Auf- und Abstieg eingeschlossen) einmal gemacht hat, kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Der von Fans liebevoll als „Klettersteig-Papst“ bezeichnete Alpinist und Autor Eugen Hüsler nennt sie schlichtweg den „Traumpfad schlechthin in den Alpen – ohne Gegenstück“.
Madonna di Campiglio – Liebling der Kaiserin
Wie kann man sich diesem außergewöhnlichen Hochgebirge am besten nähern? Idealer Ausgangspunkt für Touren in die Brenta ist Madonna di Campiglio auf 1 550 Metern Höhe. Der Ort hat eine lange touristische Tradition. Händler, Pilger und Boten machten dort Station. Bereits im Jahr 1188 wurde in Madonna di Campiglio ein Hospiz gegründet, das bis Ende des 16. Jahrhunderts bestand. Denn damals führte durch das heutige Val Rendena ein wichtiger Übergang zwischen dem Fürstbistum Trient und der Lombardei.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Madonna di Campiglio eine echte touristische Blütezeit. Im Jahr 1875 entstand mit dem Grand Hotel des Alpes das erste große, repräsentative Hotel des Ortes. Vor allem der österreichische Hochadel entdeckte die Alpen als Rückzugsort und Jungbrunnen. So residierten Kaiserin Elisabeth, genannt „Sisi”, und Kaiser Franz Joseph I. zwischen 1889 und 1914 mehrmals in Madonna di Campiglio, wodurch der Ort den Durchbruch zur mondänen Destination schaffte. Besonders Sisi schätzte die Möglichkeit zu ausgedehnten Wanderungen in relativer Abgeschiedenheit. Noch heute erinnern die 650 Einwohner von Madonna di Campiglio jedes Jahr mit der Feier des sogenannten Habsburger-Faschings an die Aufenthalte des Kaiserpaares.
Almen und Hütten inmitten der Brenta-Gipfel
In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelte sich der Bergort zu einer der führenden Skidestinationen Italiens. Doch Madonna di Campiglio ist längst auch ein lohnendes Ziel für Wanderer, Kletterer und Biker. Dafür sorgt unter anderem die erstklassige Hütteninfrastruktur. Einige der schönsten Almen und Rifugi der Brenta lassen sich – auch mithilfe von Seilbahnen – in Tageswanderungen erreichen. Schutzhütten wie das Rifugio Graffer al Grostè (2 261 m), das Rifugio Tuckett e Sella (2 272 m), das Rifugio Brentei (2 181 m), das Rifugio Alimonta (2 580 m) und das Rifugio XII Apostoli (2 489 m) garantieren ein spektakuläres Brenta-Erlebnis mit Blick auf mindestens einen der drei höchsten Gipfel: die Cima Tosa (3 173 m), den Crozzon di Brenta (3 151 m) und die Cima Brenta (3 135 m).
Einmal rund um die Brenta
Wer statt Adrenalinkicks auf den berühmten Klettersteigen lieber Bergeinsamkeit sucht, kann sich auf den Dolomiti-di-Brenta-Trek begeben. Bereits in Tuenno im Val di Non, einem ruhigen Ort inmitten von Apfelplantagen, wird sich das perfekte Urlaubsgefühl einstellen. Von dort aus führt das eingeschnittene Val di Tovel hinauf zum kristallklaren Bergsee Lago di Tovel (1178 m). Früher färbte eine Alge den See in warmen Sommern rot, doch das ist längst Vergangenheit. In dem See spiegeln sich die umliegenden Gipfel der Brenta. Etwa eineinhalb Wanderstunden entfernt liegt die Malga Tuena. Sie bietet ein paar Betten zur Übernachtung und eignet sich gut als Startpunkt des Brenta-Treks. In sieben Tagen umrundet man den Gebirgsstock, von Hütte zu Hütte, von Malga zu Bivacco.
Bis auf eine Ausnahme bleiben Klettersteige außen vor (eine Umgehung ist möglich). Stattdessen wandert man oft völlig allein in mittlerer Höhe und inmitten einer prächtigen Bergnatur. Wilde, dichte Wälder wechseln sich mit steilen, üppig blühenden Grasflanken und den von Almen geprägten, weiten Wiesenteppichen ab. Es ist ein Weg in die unbekanntere Brenta und er gehört sicherlich zu den schönsten Wanderstrecken der Ostalpen.
Über das Trentino – so vielfältig und bunt wie die vier Jahreszeiten
Die autonome Provinz Trentino in Norditalien, zwischen den Dolomiten und dem Gardasee gelegen, präsentiert sich als Urlaubsziel für 365 Tage im Jahr. Hier vereint sich mediterraner Lebensstil mit alpinen Traditionen, schroffe Gipfel treffen auf sonnige Weinberge und glasklare Seen – es gibt übrigens mehr als 300 davon.
Im Winter lockt eine Vielzahl unterschiedlicher Wintersportangebote, im Frühling verwandeln sich die Obstbaumplantagen in ein pastellfarbenes Blütenmeer und dank des milden Klimas können Natur- und Sportliebhaber wieder durchstarten.
Der Sommer steht ganz im Zeichen des Wassersports auf den über 300 Seen, dazu kommen Wanderungen, Radtouren und rasante Mountainbike-Möglichkeiten. Hübsche Städte wie Trient und Rovereto laden zu kulturellen Entdeckungen ein. Dazu locken unzählige Schlösser, historische Burgen, Museen und Musikveranstaltungen.
Die App „Mio Trentino“ ist der perfekte Reisebegleiter für maßgeschneiderte Unternehmungen. Sie kann kostenlos in den gängigen App-Stores heruntergeladen werden. Sie liefert nützliche Urlaubstipps, Informationen zu Öffnungszeiten, Veranstaltungen und Aktivitäten – sowohl bei der Reiseplanung als auch vor Ort – und ist gleichzeitig die digitale Gästekarte, die man von teilnehmenden Unterkünften erhält.
Quelle: Trentino Marketing S.r.l. c/o FEUER & FLAMME. DIE AGENTUR