Baden-Württembergs Lichterfeste und Feuerbräuche 2025
Wo glimmende Scheiben fliegen, Lichtbäche fließen und Feuerräder rollen. Der Süden Deutschlands ist für sein altes Brauchtum und seine gelebten Traditionen bekannt, die sich oft um Licht und Feuer drehen. Für die Einheimischen sind diese Veranstaltungen feste Termine im Jahreskalender, für Gäste bieten sie unvergessliche Erlebnisse. Wir stellen die schönsten Lichtfeste und Feuerbräuche in Baden-Württemberg vor.
Scheibenschlagen in Bernau
„Schiibi, Schiibo! Wem soll die Scheibe gehen? Sie soll ‚der Liebsten‘ gehören! Goht sie it, no gilt sie it. Schiibi, Schiibo!”
Liebeserklärungen, Glückwünsche oder Spottverse sind eng mit der jahrhundertealten Tradition des Scheibenschlagens verbunden. Zusammen mit den glimmenden Holzscheiben werden sie vom Schläger ins Tal geschickt. Dabei fliegen die Funken, und die Scheiben zeichnen leuchtende Feuermuster in den Abendhimmel. Anders als in anderen Schwarzwaldgemeinden findet das Scheibenschlagen in Bernau über die ganze Fastnachtswoche statt, sodass genügend Zeit für einen Besuch bleibt.
Freilaufendes Feuerrad in Brombach
Jedes Jahr am Fastnachtsdienstag sorgt in Brombach bei Eberbach im Odenwald ein riesiges brennendes Rad für ein wahres Feuerspektakel. Das „Feuerrad“ ist ein alter Brauch, den bereits die Germanen zum Winteraustreiben zelebrierten. In Brombach wird dafür ein Rad mit getrockneten Strohzöpfen gestopft, die als Brennstoff dienen. Den Antrieb übernimmt eine etwa zehn Meter lange, gewässerte Buchenholzstange. Das letzte Stück den Hang hinab meistert das brennende Rad freilaufend und kommt in einer Senke selbstständig zum Stehen. Eingeheizt wird aber auch schon vorab mit dem Feuerspringen, einer Mutprobe für junge Männer.
Funkenfeuer zwischen Bodensee und Oberschwaben
Vier Tage nach Aschermittwoch, am sogenannten „Funkensonntag“, lodern auf vielen Anhöhen am Bodensee, in Oberschwaben und in vielen weiteren Gegenden im Süden Funkenfeuer, die das Ende des Winters ankündigen. Oft sind es die ausgedienten Christbäume, die dafür aufgeschichtet und entzündet werden. Obenauf befindet sich eine „Funkenhexe“ oder eine andere mit Stroh gefüllte Symbolfigur, die ebenfalls verbrannt wird. In Wilflingen nahe der Fastnachtshochburg Rottweil ist es der „Fideli“, der bereits am Aschermittwoch, begleitet vom Weinen und Klagen der Fastnachtsgemeinde, dem Feuer übergeben wird. Mit ihm wird die närrische Zeit für ein Jahr beerdigt, bis der ewige Kreislauf an Dreikönig wieder seinen Anfang nimmt.
Lichterschwimmen in Wurmlingen
In Wurmlingen im Donaubergland lassen die Kinder am Abend des 19. März, dem sogenannten Josefstag, kleine, selbst gebastelte Schiffchen mit brennenden Lichtern an Leinen auf dem Faulenbach schwimmen. Die schon in der alten Ortschronik belegte Tradition des „De bach Abi Schwimma“ oder „Liachtli Abischwimma“ soll symbolisieren, wie Eis und Schnee ins Meer geschwemmt werden und mit dem Frühling das Tageslicht zurückkehrt. Der Schwäbische Albverein pflegt dieses traditionsreiche Brauchtum und verstärkt den Lichterstrom mit Brettern voller Lichter, die vom örtlichen „Kindlebrunnen” aus in den Faulenbach schwimmen und ihn in ein Lichtermeer verwandeln.
Osterschwammtragen in St. Peter
Ein in ganz Baden-Württemberg verbreiteter Osterbrauch ist das Osterfeuer. Es wird traditionell auf Feldern oder Bergkämmen am Karfreitag oder Ostersonntag entzündet. Eine besondere Form des Osterfeuers ist in St. Peter im Hochschwarzwald beheimatet: Hier sammeln Jugendliche im Wald „Zunderschwämme“. Die Baumpilze, die früher als Feuerspeicher und Lichtquelle verwendet wurden, werden am Ostersonntag im Gottesdienst gesegnet und anschließend in einem Feuer zum Glühen gebracht. Mit den glimmenden „Osterschwämmen” ziehen die Jugendlichen dann von Haus zu Haus und verteilen Stücke davon als segensbringendes Osterfeuer.
Rübengeistern in Denkingen
Wie in den USA die Kürbisse, so werden an Allerheiligen hierzulande Rüben von den Kindern ausgehöhlt und mit einem fratzenartigen Gesicht versehen, um sie dann nach altem Volksbrauch beleuchtet ins Fenster zu stellen oder durch die Straßen zu tragen. In Denkingen am Fuße der Schwäbischen Alb veranstaltet die Narrenzunft jedes Jahr nach der „Runkelrüben“-Ernte zwischen September und Oktober einen Rübengeister-Umzug, bei dem sogar ein eigenes Rübengeister-Lied gesungen wird. Im wenige Kilometer entfernten Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck werden dann traditionell vor Allerheiligen gemeinsam Rübengeister geschnitzt, die anschließend durch das Museumsdorf getragen werden.
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Nikolausfeuer in Hirrlingen
In Hirrlingen wird eine außergewöhnliche Interpretation der Feierlichkeiten zum Nikolaustag gepflegt. In der Gemeinde bei Tübingen weisen die Einwohner dem Heiligen den Weg durch ein Feuer. Am 5. Dezember wird an einem Hang in der Nähe des Dorfes ein großes Feuer aufgeschichtet. Sobald das Feuer brennt, warten die Teilnehmenden auf die Ankunft des Nikolaus. Neben dem Feuer zaubern die „Harzfackeln” der Kinder eine ganz besondere Stimmung. Dabei handelt es sich um selbst gemachte Laternen, die mit Kerzen beleuchtet sind und von den Kindern umhergetragen werden. Im Anschluss kehrt der Nikolaus mit seinem Begleiter, Knecht Ruprecht, in einige Häuser ein.
Weihnachtsfackeln in Altensteig
Ein beeindruckendes Schauspiel ist das jährliche Altensteiger Weihnachtsfackeln. Die Altensteiger „Fackler” schichten an Heiligabend ab 6 Uhr morgens zwei runde Türme aus Holzscheiten oberhalb der Stadt im Schwarzwald auf. Sie sind bis zu zwölf Meter hoch und an der Spitze mit einer Tanne geschmückt. Mit dem Abendläuten nach dem Gottesdienst werden die Holzstöße zum Brennen gebracht. Wenn die Flammen zum Himmel lodern, entzünden die „Fackler” daran ihre bis zu fünf Meter langen Fackeln und postieren sich auf den Bergwiesen. Nach und nach zünden auch die Zuschauer hunderte Handfackeln an und schwenken sie zusammen mit den „Facklern“, bis ein ganzes Lichtermeer über dem Nagoldtal wogt.
„Z’Licht go“ und „Stubede“ im Hochschwarzwald
Wenn der Winter Einzug hält, die Tage kürzer werden und der kalte Wind um die Häuser pfeift, rückt man in den Schwarzwaldhöfen schon seit Generationen näher zusammen. Familie, Freunde und Nachbarn versammeln sich dann zur „Stubede” in der guten Stube, wo im Kachelofen das Feuer knistert. Sie spielen gemeinsam Karten, musizieren, erzählen, schnitzen, sticken und schnabulieren. Entstanden ist diese gemütliche Tradition aber nicht nur aus dem Wunsch nach Geselligkeit: Das Versammeln in der Stube eines Hofes sparte außerdem Brennholz und Energie. Deswegen nennt man den alten Brauch des Zusammenkommens auch „Z’Licht go“: miteinander zum Licht gehen.
Quelle: TMBW Tourismus-Marketing Baden-Würrtemberg