Im Rahmen des Projekts Peacetower wurden sechs Wandflächen der Studierendenwohnanlage Lechbrücke in Augsburg gestaltet. - Augsburg feiert größtes Mural-Projekt an einem Wohngebäude in Deutschland
Schwaben

Augsburg feiert größtes Mural-Projekt an einem Wohngebäude in Deutschland

Unter dem Motto „Empowering Perspectives“ haben neun Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Städten und Ländern sechs Wandflächen mit je 288 Quadratmetern der Studierendenwohnanlage Lechbrücke (Lechhauser Straße 35) gestaltet. Mit einer Höhe von 48 Metern und einer Gesamtfläche von 1.728 Quadratmetern ist das Projekt „Peacetower“ das bislang größte und höchste Mural-Projekt an einem Wohngebäude in Deutschland.

Am vergangenen Freitag, dem 3. Juli 2026, fand die feierliche Einweihung statt. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr anlässlich des Jubiläums „375 Jahre Augsburger Hohes Friedensfest“ von der Wohnbau Augsburg GmbH gemeinsam mit dem Graffiti-Verein „Die Bunten“ und dem Friedensbüro der Stadt Augsburg initiiert. Die Umsetzung an den Wänden begann im April 2026.

Ein Wahrzeichen mit Geschichte

Das 62 Meter hohe und 22-geschossige Gebäude an der Ulrichsbrücke – häufig „Lechbrücke“ genannt – wurde ursprünglich für die Athletinnen und Athleten der Olympischen Sommerspiele 1972 errichtet und dient seither als Wohnraum für Studierende. Seit 2024 modernisiert die Wohnbaugruppe das Wohnheim umfassend. Ab Herbst bietet es rund 250 jungen Menschen aus aller Welt ein Zuhause. Die Motive des Murals greifen genau diese Themen des Ortes auf: studentisches Leben, das Miteinander unterschiedlicher Herkünfte sowie der unmittelbar angrenzende Lech als Teil des Augsburger UNESCO-Welterbes „Wasser“.

Unter dem Motto Empowering Perspectives haben neun Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Städten und Ländern sechs Wandflächen mit je 288 Quadratmetern der Studierendenwohnanlage Lechbrücke (Lechhauser Straße 35) gestaltet.

OB Dr. Florian Freund: „Kunstwerke prägen Lebensgefühl unserer Stadt“

„Jeden Tag werden Tausende Menschen an diesem Ort vorbeikommen, zu Fuß, mit dem Rad, im Auto oder in der Straßenbahn. Der Peacetower schenkt ihnen einen Moment des Staunens und macht den öffentlichen Raum ein Stück lebenswerter. Die Kunstwerke erzählen von Gemeinschaft und Hoffnung. Damit prägen sie nicht nur das Stadtbild, sondern auch das Lebensgefühl unserer Stadt. Sie machen sichtbar, was Augsburg auszeichnet: Vielfalt, Offenheit und den respektvollen Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft. So ist ein Ort entstanden, an dem sich die Werte des Friedensstadt mit dem Alltag der Bürgerinnen und Bürger verbinden und der weit über Augsburg hinaus ausstrahlt“, so Oberbürgermeister Dr. Florian Freund.

„Dass wir in einem Atemzug mit der Sanierung des Hochhauses diesem außergewöhnlichen Kunstprojekt Raum geben durften, freut uns sehr“, so Geschäftsführer der Wohnbaugruppe Augsburg Dr. Mark Dominik Hoppe. „Schon in der Vergangenheit haben wir gerne vielfach Fassaden für die Friedensmurals zur Verfügung gestellt. Nun ist mit dem Studierendenwohnheim - unserem mit Abstand höchstem Gebäude – ein Ort in den Mittelpunkt gerückt, an dem Vielfalt und internationales Miteinander jeden Tag gelebt werden. Die Kunstwerke spiegeln genau das wider und tragen diese Atmosphäre weit über Augsburg hinaus."

Sechs künstlerische Perspektiven

Je zwei Wandabschnitte wurden von regionalen, nationalen und internationalen Kunstschaffenden gestaltet. Die Flächen befinden sich nebeneinander. „Wir sind begeistert! Die Vielfalt unserer Gesellschaft und ihrer Geschmäcker wird durch die sechs gänzlich unterschiedlichen Stilrichtungen auf beeindruckende Weise sichtbar“, erklären die beiden Projektleiter des Graffitivereins „Die Bunten e. V.“, Thomas Wittkowski und Daniel Tröster.

„Wie bei all unseren Projekten war es uns wichtig, eine transparente Ausschreibung zu organisieren. Nun dieses Mammutprojekt gemeinsam mit so vielen Helferinnen und Helfern sowie Künstlerinnen und Künstlern erfolgreich abzuschließen, hat uns alle mit Freude und Stolz erfüllt. Wir danken daher ausdrücklich allen, die dieses Projekt ermöglicht haben, für diese beeindruckende Leistung.“

So ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das die internationale Mural- und Graffiti-Szene mit den Stärken der Augsburger Szene verbindet.

  • Fintan Magee (Australien): „Woman with Olive Branch“
  • MOTS – Diogo Ruas & Jagoda Cierniak (Portugal & Polen) – „Branch Out“
  • Daniel Man (Augsburg): „Peace Possible“
  • Franziska Hauber, Oliver Skowronek und Tristan Huschke (alle Augsburg) – ohne Titel
  • Bond Truluv (Deutschland): „Frieden beginnt mit einem Lächeln“
  • Cone The Weird (Deutschland): „The Flow“

Dem Projekt ging eine weltweite Ausschreibung voraus. Aus 123 Bewerbungen wählte eine Fachjury zunächst 15 Konzepte aus, von denen sechs realisiert wurden. In der Jury saßen Stefan Buffler für die Technische Hochschule Augsburg, Maria Trump als Popkulturbeauftragte, Thomas Weitzel für das Friedensbüro, Dr. Mark Dominik Hoppe und Bernd Silbermann von der Wohnbaugruppe Augsburg, Lisa McQueen für Schöne Felder e. V. sowie Eric Nikodym als künstlerischer Leiter des Friedensjubiläums 2025. Der Entwurf des Augsburger Teams Franziska Hauber, Oliver Skowronek und Tristan Huschke ging als Favorit aus der öffentlichen Abstimmung für Bürgerinnen und Bürger hervor.

An der Studierendenwohnanlage Lechbrücke ist das größte Mural-Projekt an einem Wohngebäude in Deutschland zu sehen.

Murals sind seit 2013 Teil des Kulturprogramms zum Augsburger Friedensfest

Seit 2013 sind großflächige Wandbilder an Hausfassaden – sogenannte Murals – Teil des Kulturprogramms zum Augsburger Friedensfest. Jahr für Jahr entstehen sie in Kooperation des Graffiti-Vereins „Die Bunten” e. V. mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg nach einer vorangegangenen Ausschreibung und Bewertung durch eine Jury. Die künstlerischen Statements im öffentlichen Raum machen auf die Schwerpunkte des Friedensfests und auf gesellschaftspolitische Themen aufmerksam, laden zur Reflexion und Diskussion ein und bereichern das Stadtbild.

Quelle: Stadt Augusburg