Artenvielfalt auf der Landesgartenschau Neuss 2026
Auf dem Gelände der Neusser Landesgartenschau ist ein vielfältiger Lebensraum für heimische Pflanzen und Tiere entstanden. In Zusammenarbeit mit der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss e. V. wurden artenreiche Wiesen und naturnah gestaltete Sanddünen angelegt. Diese machen charakteristische Landschaften und Pflanzengesellschaften des Niederrheins erlebbar.
Das alte Geläuf auf der Landesgartenschau in Neuss erinnert an die historische Pferderennbahn, die von 1875 an das Stadtbild prägte und besonders für ihre Winterrennen bekannt war. Der Erhalt dieses Sandgeläufs als markantes Merkmal des ehemaligen Rennbahngeländes war von Beginn an Teil des Gestaltungskonzepts der Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH. Es sollte erlebbar bleiben und zu einem ökologisch wertvollen Sandmagerrasen-Biotop entwickelt werden.
Zu diesem Zweck wurden auf der alten Sandbahn rund 1.300 m³ regionaler, ungewaschener Feinsand aufgeschüttet und fünf große Sanddünen modelliert. Diese befinden sich überwiegend in den leicht geneigten Kurven im Norden, Südosten und Südwesten des Geländes und orientieren sich an den seltenen Binnendünen des Niederrheins.
So entstanden neue Lebensräume nach dem Vorbild des Wahler Bergs
Ein bedeutendes natürliches Vorbild befindet sich bei Stürzelberg: Der Wahler Berg gehört zu den wenigen gut erhaltenen Binnendünen der Region. Aufgrund seiner besonderen Flora und Fauna ist er als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Teil des europäischen Naturerbes.
Viele der ehemals im Rhein-Kreis Neuss vorhandenen Binnendünen wurden im Laufe der Zeit überbaut, aufgeforstet oder anderweitig zerstört. Mit den neuen Sandflächen auf dem Landesgartenschaugelände wurden Ersatzlebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen, die auf trockene, warme und nährstoffarme Standorte angewiesen sind.
Der für die Dünen verwendete feine Sand stammt aus einer nahegelegenen Abgrabung. Um die Besiedlung mit charakteristischen Arten wie Silbergras, Bauernsenf, Moosen und Flechten zu unterstützen, wurde am Wahler Berg Bodenmaterial mit darin enthaltenen Samen und Sporen vorsichtig entnommen und auf den neu angelegten Dünen verteilt.
Gleichzeitig diente das behutsame Abtragen einzelner Oberbodenbereiche dem Naturschutz: Arten wie das Silbergras benötigen offene, kaum bewachsene Sandflächen, um sich erfolgreich entwickeln zu können.
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Riesige „Sandarien“ für seltene Arten
Die trockenen und warmen Sandflächen bieten auch spezialisierten Tierarten einen wertvollen Lebensraum. Zu den typischen Bewohnern gehören Sand-Laufkäfer sowie verschiedene Wildbienen- und Wespenarten, die ihre Nester im offenen Sandboden anlegen.
Die Dünen können daher zu Recht als riesige „Sandarien“ bezeichnet werden. Sie veranschaulichen die enge Verbindung zwischen Pflanzen, Tieren, Boden und Pflege und zeigen, wie auf dem Gelände der Landesgartenschau in Neuss neue Lebensräume für die heimische Artenvielfalt entstehen können. Auf dieses Prinzip zahlen auch die Zielarten-Mischpflanzungen von Jessica Gabler im südöstlichen Teil des Geländes ein.
Zielarten-Mischpflanzung auf der Landesgartenschau – Gestaltung und Artenschutz vereint
Im Jahr 2024 hat der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt*innen NRW zum ersten Mal den NRW.Studierenden.Preis für studentische Abschlussarbeiten ausgelobt. Der Preis dokumentiert und würdigt die Innovation und Kreativität der Studierenden. Den ersten Preis erhielt Jessica Gabler für ihre Masterarbeit „Integrierte Zielarten-Mischpflanzung”, in der es ihr gelang, ein digitales Werkzeug zu entwickeln, mit dessen Hilfe Pflanzungen zur Förderung von Wildbienen geplant werden können.
Gärten sind ein wichtiger Rückzugsraum für Wildbienen. Mit circa 600 heimischen Arten stellen Wildbienen eine gefährdete Insektengruppe dar, da sie unterschiedlich stark auf ihre Pollenquellen spezialisiert sind. Zielarten-Mischpflanzungen kombinieren das Wissen der Mischpflanzungskonzepte des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS) mit dem Wissen über die Beziehungen zwischen Wildbienen und ihren Pollenquellen.
Auf dem Gelände der Landesgartenschau Neuss zeigen gleich drei verschiedene Zielarten-Mischpflanzungen für ganz besondere Wildbienenarten auf 1000 m², wie schön Artenschutz sein kann. In der Staudenflur der niederrheinischen Hartholzaue trifft somit gestalterisch hochwertige Pflanzplanung auf gezielten Artenschutz. Das Prinzip: Zielarten-Pflanzungen erlauben eine höhengestaffelte Gestaltung nach Leitbildern aus der Natur bei standortgerechter Pflanzenwahl. Die Kombination horizontaler und vertikaler Blütenformen schafft abwechslungsreiche Kontraste.
Exemplarisch wurden drei Wildbienenarten als Zielarten definiert und durch eine entsprechende Pflanzung gefördert, die viele ihrer lebensnotwendigen Pollenpflanzen enthält.
Blutweiderich-Sägehornbiene
Die Blutweiderich-Sägehornbiene war früher im Tiefland weit verbreitet, ist heute jedoch rückläufig und noch mäßig häufig. Sie ist auf Blutweiderich als einzige Pollenquelle angewiesen. Diese Pflanze wächst an Flussufern, in Auen, Feuchtwiesen und Gräben und bevorzugt wechselfeuchte, nährstoffreiche Böden. Auch viele andere Pflanzen werden von der Wildbiene als Pollenquelle genutzt. Als strukturgebende Staude eignet sich der Blutweiderich auch für frische Beete und urbane Retentionsflächen. Nur eine weitere Wildbienenart ist auf Weiderich spezialisiert.
Weidenröschen-Blattschneiderbiene
Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene ist in Waldgebieten und an Siedlungsrändern häufig, sofern das Schmalblättrige Weidenröschen auf Kahlschlägen oder Ruderalflächen wächst. Von Juni bis August sammeln die Weibchen dort Pollen und legen ihre Brutzellen in Totholz an, das oft mit Blattstücken ausgekleidet ist. Nisthilfen werden gern angenommen. Blattschneiderbienen sind gut erkennbar, da sie beim Pollensammeln den Hinterleib anheben. Das Weidenröschen wird im Garten noch selten verwendet, obwohl es ökologisch wertvoll ist. Keine weitere Wildbienenart sammelt ausschließlich Pollen vom Weidenröschen.
Glockenblumen-Sägehornbiene
Die Glockenblumen-Sägehornbiene lässt sich ab Mitte Juli mit etwas Glück beobachten, wenn an sonnigen Wegrändern, Waldrändern oder in den Gärten Europas Glockenblumen blühen. Bei Regen lohnt sich ein Blick in die schützende Glockenblüte, in der diese Wildbienen auch übernachten. Das Weibchen ist relativ groß und an der rotbraunen Endfranse am Hinterleib gut erkennbar. Zum Nisten gräbt es eigene Gänge in schütter bewachsene Bodenstellen. In diese Bruthöhlen trägt sie Pollen für ihre Larven ein. Neun weitere Wildbienenarten sind auf Glockenblumen spezialisiert.
Nachhaltiger Beitrag zum Artenschutz
Durch die obigen Maßnahmen trägt die Landesgartenschau in Neuss zur Erholung biologisch vielfältiger und widerstandsfähiger Ökosysteme bei. Diese werden im Stadtpark verbleiben und langfristig eine Heimat mit ökologischem Mehrwert für zukünftige Generationen gestalten.
Die Landesgartenschau Neuss läuft noch bis zum 11. Oktober 2026.
Quelle: Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH